| Nach der
Hochwasserkatastrophe an Elbe und Donau vor zwei Jahren ist der Schutz vor
solchen Unbillen der Natur wieder verstärkt ins Licht der Öffentlichkeit
gerückt. Das tiefliegende Stadtgebiet von Vilsbiburg kann bei starkem
Hochwasser in vielen Bereichen überflutet werden. Daher hatte das
Wasserwirtschaftsamt Landshut bereits im Jahr 1989 Lösungsvorschläge
ausgearbeitet, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Erster und
bisher einziger Bauabschnitt war der Bau des so genannten Pfarrwehres.
Gekoppelt war hier die Aufweitung der Großen Vils im Ober- und
Unterwasser. Mittlerweile hat der Hochwasserschutz wieder größere Priorität bekommen. Nachdem die Stadt Vilsbiburg inzwischen aber auch intensiv in die Stadtplatzsanierung eingestiegen ist, sind neben den reinen Hochwasserschutzmaßnahmen auch städtebauliche Belange bei der Gestaltung des Vilsraumes zu berücksichtigen. Da traf es sich gut, dass die Vils und die Rott in ein von der EU gefördertes Projekt aufgenommen wurden, das Flussraummanagement genannt wird. Darunter ist ein nachhaltiges Management der Wasser- und Naturraumressourcen zu verstehen. Mit Partnern aus Naturschutz, Landwirtschaft und den betroffenen Kommunen haben die zuständigen Wasserwirtschaftsämter verschiedene innovative wasserwirtschaftliche Projekte begonnen. Für den Bereich der Stadt Vilsbiburg bedeutet dies, dass nach intensiven Beratungen ein interdisziplinärer Ideenwettbewerb durchgeführt wurde. "Ziel war es hochwertige Lösungen zu bekommen, die sowohl zur Verbesserung des Hochwasserschutzes, als auch Integration städtebaulicher und grünordnerischer Belange beitragen sollen", formuliert es der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Landshut, Erich Englmann. Dadurch soll es zu einer ganzheitlichen Weiterentwicklung und Aufwertung der stadtnahen Flusslandschaft im Bereich von Vilsbiburg kommen. Dabei konnten die Planer bereits auf ein Konzept zurückgreifen, das von der Agenda-Arbeitsgruppe Stadtplanung und Verkehr ausgearbeitet worden war. Sie hatten sich Gedanken gemacht, wie der Balkspitz naturnah gestaltet, ökologisch aufgewertet und kulturell genutzt werden könnte. Insgesamt haben 50 Planungsgemeinschaften ihre Vorstellungen abgegeben, 19 davon seien in die engere Auswahl gekommen, informierte Bernhard Eichner vom Wasserwirtschaftsamt den Stadtrat, dem die Gewinner des Wettbewerbes zuerst vorgestellt wurden. Von den 19 Planungsbüros habe das Preisgericht dann fünf ausgewählt, unter denen der Sieger gesucht wurde. Eichner berichtete weiter, dass sich nur deutsche Planer beworben hätten, obwohl der Wettbewerb EU-weit ausgeschrieben worden sei. Das Votum der Preisrichter, das aus Fachleuten und Mitgliedern des Stadtrates bestand, fiel nach intensiven Beratungen eindeutig aus. Sieger wurde eine Arbeitsgemeinschaft aus Baden-Württemberg: Die Bauingenieure Pirker, Pfeiffer aus Münsingen, die Landschaftsarchitekten Menz und Weik aus Tübingen und die Architekten Hähnig und Gemmeke ebenfalls aus Tübingen. Bezirktagspräsident Manfred Hölzlein bezeichnete bei der Preisverleihung den Entwurf als wichtigen Meilenstein für Vilsbiburg auf dem Weg zum umfassenden Hochwasserschutz, der darüber hinaus auch für eine städtebauliche Aufwertung der niederbayerischen Kleinstadt sorge. Bürgermeister Helmut Haider ergänzte, dass dieser Entwurf die Vorgaben des interdisziplinären Wettbewerbes am besten herausgearbeitet habe. Zudem habe das Preisgericht bei dieser Planung die besten Entwicklungs- und Realisierungschancen gesehen. Als Beispiel nannte er die Freifläche bei der Stadthalle oder den so genannten Balkspitz, die "so hervorragend mit einbezogen sind, dass die gesamte Stadt davon profitiert." Im Bereich Hochwasserschutz sieht der
Siegerentwurf verschiedene Schutzmauern, mobile Mauerverschlüsse sowie
Dämme und Geländemodellierungen vor. Eine geplante "Stadtterrasse" direkt
am Ufer der Vils wird durch eine als Brüstung ausgebildete
Hochwasserschutzmauer begrenzt. Zudem haben die Planer zum Balkspitz einen
Steg eingeplant, der als verankerter Schwimmponton ausgebildet ist und
damit im Hochwasserfall einfach aufschwimmt. Im Bereich der Ökologie und
Freiraumplanung ist es den Planern gelungen, die Restflächen der Vilsaue
zu einer zentralen grünen Achse auszubauen. Der Vorschlag stellt einen
gelungenen Kompromiss ökologischer, ästhetischer und wasserbaulicher
Anforderungen dar. Kritisch wurde hier von Stadträten bereits die
Aufweitung der Vils im Bereich des Festplatzes gesehen, da dadurch
wertvolle weil innenstadtnahe Parkplätze verloren gehen. Bernhard Eichner
erläuterte dazu, dass die Beachtung der Parkplatzsituation nicht Vorgabe
des Wettbewerbes gewesen sei. Im städtebaulichen Bereich sieht der Entwurf
unter anderem eine großzügige Promenade an der Vils sowie verschiedene
Ergänzungsbauten vor, die vorhandene städtebauliche Strukturen stärken und
beispielsweise Stadtplatz und Untere Stadt intensiv miteinander
verknüpfen. Erich Englmann, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes, meinte, der
Stadtrat habe mit diesem Entwurf viele Lösungsideen bekommen, die ein
schlüssiges Gesamtkonzept bilden. "Der Stadtrat kann damit die
planerischen Weichen für die nächste Generation stellen". Er bestärkte die
Stadträte, dass vor einer endgültigen Entscheidung eine ausführliche
Diskussion nötig sei. Allerdings warnte er auch davor, sich in Details zu
verzetteln, da man den Entwurf sonst zerreden würde. Er sei kein Korsett,
sondern ein Rahmen. |