Entgegenkommen führte zu Entscheidungen
Zukünftige Gestaltung des Stadtplatzes ist durch mehrere
Beschlussfassungen absehbar
Stadtrat hat sich auf Kompromisse verständigt:
Vilsbiburg. Bei der gestrigen Stadtratssitzung am Donnerstag hingen die großen,
detaillierten Pläne zur Stadtplatzsanierung und zur neuen Vilsbrücke an den
Wänden des Sitzungssaals. Und genau diese sollten auch zur endgültigen
Beschlussfassung kommen. Ein Großteil der seit langer Zeit heftig diskutierten
Details wurde, wenn auch ein paar Mal mit knappen Mehrheiten, entschieden: die
Gestaltung der Uferbereiche, der Granitbelag und das zukünftige Parken auf dem
Stadtplatz und die Einbindung des Dionysibrunnens am alten Standort. Aus
Zeitgründen vertagt wurde unter anderem die Abstimmung über die Begrünung auf
dem Stadtplatz. "Heute versuchen wir, ein gemeinsames Ziel zu erreichen",
eröffnete Bürgermeister Helmut Haider die Sitzung. Zu Beginn wurde so auch dem
altbekannten Entwurf der neuen Vilsbrücke ein klares Votum gegeben: Mit
lediglich einer Gegenstimme wird das Ingenieurbüro Igel, Putz und Partner aus
Landshut mit dem Bau einer geschwungenen Vilsbrücke beauftragt, die ein
ebenfalls geschwungenes Geländer, gefüllt mit horizontalen, leicht abgestuften
Stäben und eingefassten Wandbeleuchtungselemten bekommen wird.
Ein "Nein" gab es für die vom Architekturbüro AGS (Architektengesellschaft für
die Stadt) vorgeschlagenen, schlichten Holzbänke an den sich ausweitenden
Bereichen des Fußgängerwegs. Stadtrat Martin Priller (CSU) befürchtete, man
werde mitten im Gehbereich durch die fest installierten Sitzgelegenheiten
unnötig behindert, Stadtrat Sebastian Huber (Freie Wähler) befürchtete, man
werde auf der sich neigenden Brücke schließlich sogar schief sitzen müssen.
Trotz der Beteuerungen von Architektin Ulrike Färber von AGS, dass um die Bänke
zwei Meter Gehbereich verblieben, wurde diese Möblierung von nur acht Stadträten
für gut befunden.
Für die Gestaltung des Uferbereichs, besonders hinter dem Rathaus, da man sich
über die anderen Bereiche größtenteils einig sei, wie Bürgermeister Haider
sagte, stellte Ulrike Färber gleich drei Vorschläge vor: Eine Allee artige
Baumführung hinter dem Rathaus und dem Anwesen Mühlbauer und eine durchgehende
Ufermauer, die das Ufer von dem neu entstehenden Rathausplatz abgrenzt und vor
Hochwasser schützt, wie es die Sieger des Wettbewerbs zum Flussraummanagment
vorschlugen, in Stufen abgesenkte, versetzte Sonnenterrassen mit freiem Zugang
zum Wasser als erste Idee von AGS, eine großzügige Pflanzenböschung hinter dem
Rathaus und eine tiefer liegende Mauer.
Eine Rampe neben der Vilsbrücke von der Unteren Stadt zum Anwesen Balk ließe
sich nicht vermeiden, so Ulrike Färber, da für Anwohner und Lieferverkehr diese
Zufahrt unabdingbar sei. Stadtrat Valentin Birnkammer (CSU) betonte die
Erlebbarkeit des offeneren Uferbereichs im Plan von AGS, der ebenfalls einen
sicheren Hochwasserschutz gewährleiste, wie Ulrike Färber bestätigte. 2.
Bürgermeister Rudolf Lehner (CSU) jedoch betonte, dass er sich "mit der
Terrassenlösung nicht anfreunden" könne, schließlich verzichte man damit auf die
Schaffung eines Platzes hinter dem Rathaus, der der Stadt abgehe. Stadtrat Huber
reagierte skeptisch: "Wir bauen nicht alle zehn Jahre eine Brücke. Wenn ich mir
vorstelle, dass dann am Ufer eine vier Meter hohe Mauer steht, ist das kein
Schönheitsaspekt." Auch die Erholung der Bürger käme dabei wohl zu kurz. Der
Stadtrat stimmte anders und mit 13 Stimmen für die Allee-Lösung, die eine vom
Gehweg weiter geführte Pflasterung hinter dem Rathaus und die Mauer mit sich
bringt.
Als Beschlussvorschlag für die Stellplätze und Parkierungsregulierung hatte man
die Planung von AGS übernommen, nach der 44 Parkplätze mit einem Zeitlimit von
zwei Stunden durch eine Beschilderung zum Schrägparken und weitere
Parkmöglichkeiten auf dem so genannten Mulitifunktionsstreifen zwischen Gehweg
und Straße für 20 beziehungsweise 30 Minuten ausgewiesen werden sollen.
Als "Entgegenkommen" bewertete Ulrike Färber die Möglichkeit einer dezenten
Parkplatzmarkiereung im Abstand von 2,20 Metern. Für diese stimmten mit dem
Beschlussvorschlag 18 Stadträte. Stadtrat Wolfgang Perzel (CSU) monierte jedoch
im Vorfeld die Enge der ausgewiesenen Parkpläze: "Das geht sich nie aus. Der
Abstand der Markierungen müsste sich beim Schrägparken von 45 Grad auf vier
Meter belaufen." Bei 2,50 Meter könnten "selbst die Männer" nicht richtig
einparken". Bürgermeister Haider und Ulrike Färber betonten unisono, dass es
sich bei den Markierungen sowieso mehr um eine Orientierungshilfe handle.
Eine Homburger Kante zu Beginn und Ende des Stadtplatzes von drei Zentimetern
als Markierung und Wasserablauf wurde einstimmig abgelehnt. Eine ebenfalls drei
Zentimeter hohe Kante zwischen Gehweg und Multifuktionsstreifen wurde nach der
Empfehlung der Straßenbauamts mit 20 Stimmen eindeutig akzeptiert. 16 Stadträte
stimmten zudem für einen Bodenbelag aus hellgrauem und gelbem Granit - auf dem
Gehsteig ausschließlich in Form geschnittener und geflammter Platten, ansonsten
mit einer Einmischung von Großpflasterzeilen (siehe Kasten ).
Eines ändert sich nicht: Der Dionysibrunnen bleibt, wo er ist. Nur acht
Stadträte plädierten für eine Versetzung zugunsten des von AGS vorgeschlagenen
Erlebnisbrunnens (siehe Kasten ). Auch der "Stadtloggia" wurde eine klare Absage
erteilt: Nur fünf Stadträte konnten sich das Bühnen-, Informations- oder
Treffpunktportal als zentralen Punkt auf dem Stadtplatz vorstellen. Sowohl die
Fraktion der SPD wie auch der CSU sahen die Loggia als "Verschandelung", wie es
Klaus Kerscher (SPD) nannte. Man solle das Geld dann lieber in eine mobile
Anlage investieren und flexibel bleiben. Janina
Sgodda
Vilsbiburger Zeitung vom 26. Februar 2005
