Stationäres Hospiz: Niederbayern ist unterversorgt
Niederbayern ist neben Unterfranken der einzige
Regierungsbezirk Bayerns, der noch kein stationäres Hospiz hat, in der
Oberpfalz entsteht derzeit ein stationäres Hospiz. Bis zur
österreichischen Grenze in südlicher und östlicher Richtung gibt es auch
auf oberbayerischem Gebiet ebenfalls kein Hospiz. Bisher befinden sich für
die niederbayerischen Bürger die nächsten Hospize in München. Das
Sozialministerium hat für Niederbayern den Bedarf von insgesamt 20
Hospiz-Plätzen ermittelt.
Bedarf für Niederbayern vorhanden
Der Landkreis Landshut setzt sich seit mehr als zehn
Jahren für ein stationäres Hospiz in der Region ein. Schon Anfang des
Jahrhunderts gab es konkrete Bestrebungen, aber die mit großem Einsatz
erfolgten Bemühungen Anfang der 2000er Jahre scheiterten im Wesentlichen
an der fehlenden Finanzausstattung des örtlichen Hospizvereins und dem
Fehlen einer Institution, wie z. B. eines freien Wohlfahrtsverbandes, die
sich als belastbarer Träger eingebracht hätte.
In zahlreichen Besprechungen wurden bereits damals
gemeinsam mit Vertretern des Krankenhauses Landshut-Achdorf, der
Onkologischen Praxis Dr. Ursula Vehling-Kaiser und dem Hospizverein
Standorte für ein stationäres Hospiz gesucht. Ein von der Praxis
Vehling-Kaiser zur Verfügung gestelltes Objekt scheiterte aber
beispielsweise an der versagten Baugenehmigung für erforderliche Umbauten
durch die Stadt Landshut.
Pläne für stationäres Hospiz dem Ministerium bereits im
November 2008 vorgestellt
Seit 2008 hat LaKUMed zusammen mit weiteren
Kooperationspartnern in einer Arbeitsgruppe erneut den Bedarf für ein
stationäres Hospiz geprüft und ein Rahmenkonzept erarbeitet. Im November
2008 wurden die Pläne für ein stationäres Hospiz im Beisein des
Hospizvereins Landshut dem bayerischen Staatsministerium für Umwelt und
Gesundheit und der Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände in Bayern
vorgestellt und das weitere Vorgehen abgesprochen.
Der örtliche Hospizverein, vertreten durch die
Vorsitzende Charlotte Girod, hat seine Bereitschaft erklärt, das Vorhaben
zu unterstützen, eine eigene Trägerschaft aber mangels finanzieller
Möglichkeiten nicht in Aussicht stellen können. Dem Landkreis Landshut
liegt auch ein aktuelles Schreiben des Hospizvereins Landshut vom Februar
2010 vor, in dem der Hospizverein betont, dass er eine baldige
Realisierung eines stationären Hospizes sehr begrüßt und in jedem Fall dem
Betreiber eines stationären Hospizes seine Zusammenarbeit anbietet.
Schon 2008 stand Grundstück für ein Hospiz zur
Verfügung
Bereits seit Mitte 2008 stand für ein stationäres Hospiz
ein Grundstück des Landkreises, das sich im Stadtbereich von Landshut
befindet, zur Verfügung; eine Baugenehmigung von Seiten der Stadt konnte
allerdings nicht erteilt werden.
Landrat Josef Eppeneder hat mit Schreiben vom 11.
November 2009 die Stadt Landshut aufgefordert, sich bis 1. Dezember 2009
über die Realisierbarkeit des Hospizes auf dem „Blattner-Grundstück“ in
Landshut-Achdorf zu äußern. Nachdem bis Anfang Februar 2010 das Schreiben
von Landrat Eppeneder vom 11. November 2009 an die Stadt Landshut mit der
Bitte um verbindliche Stellungnahme zur Bebaubarkeit des „Blattner-Grundstückes“
trotz nochmaliger Aufforderung am 26. Januar 2010 nicht beantwortet wurde,
wurde eine Konzeption für ein Hospiz am Standort Vilsbiburg erstellt.
Auch das Mitte Februar erfolgte Antwortschreiben der
Stadt ließ auf keine schnelle Entscheidung für einen Bau des stationären
Hospizes in Landshut-Achdorf hoffen. Das von der Stadt und Klinikum in
einer Pressemitteilung im Februar angekündigte Kooperationsangebot in
Sachen Hospiz liegt bisher weder dem Landkreis Landshut noch LaKUMed vor.
Der Kreistag hat sich in der Sitzung am 15. März 2010
daher für das Grundstück in Vilsbiburg entscheiden und damit den Weg für
den Bau eines stationären Hospizes frei gemacht.
Bayerischer Hospiz- und Palliativverband begrüßt zügige
Entscheidung
„Der vom Landshuter Hospizverein lang gehegte Wunsch
nach einem stationären Hospiz in der Region scheint in greifbare Nähe zu
rücken“, erklärt Dr. Erich Rösch, Geschäftsführer des Bayerischen Hospiz-
und Palliativverbandes. „Aus Sicht des Landesverbandes geht es hier um die
Realisierung der stationären Hospizversorgung für Niederbayern.
Für ganz Niederbayern sind planerisch zunächst nur 20
Plätze vorgesehen. Es ergibt sich dadurch ein großes Einzugsgebiet, das
beim ersten niederbayerischen Hospiz nicht nur Stadt und Landkreis
Landshut umfassen können wird. Hier müssen wir in größeren Zusammenhängen
denken.“
Dr. Erich Rösch sieht aufgrund seiner persönlichen
Ortskenntnisse im Standort Vilsbiburg daher durchaus Vorteile: „Da
zusätzlich zum Einzugsgebiet des Landkreises Landshut die B299 und B388
auch eine schnelle Erschließung Richtung Landkreis Rottal-Inn, der
ebenfalls unterversorgt ist, bieten, wurde dieser zusätzliche
Standortvorteil, den Vilsbiburg bietet, den Genehmigungsstellen zur
wohlwollenden Einbeziehung in ihre Entscheidung anempfohlen.
Ein stationäres Hospiz zu betreiben ist neben den
fachlichen Fragestellungen auch ein unternehmerisches Risiko. Der
Landkreis Landshut ist hier sehr kompetent in Vorleistung gegangen, hat in
14 Monaten Konzept, Finanzierung, Investor, Bauplatz auf die Beine
gestellt und die nötigen Behördenschritte in Ministerium und Krankenkassen
abgeklärt. Von Seiten des Landesverbandes empfehlen wir, nun die
politischen Differenzen beiseite zu lassen und sich im Schulterschluss von
Stadt und Landkreis auf die Realisierung des Vorhabens zu konzentrieren.“
Der Landkreis Landshut ist weiterhin bemüht, die Stadt
Landshut einzubinden, und hat die Stadt bereits über die Entscheidung des
Kreistages informiert.
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