Der lange Weg zum neuen Stadtplatz
Der Umbau der "guten Stube" der Stadt wurde seit vielen Jahren
vorbereitet
Von Georg Soller Vilsbiburg. Mit der Eröffnung des neu gestalteten
Stadtplatzes am Freitag vollendet sich ein Kapitel der Stadtentwicklung,
das die Vilsbiburger Kommunalpolitiker über Jahrzehnte beschäftigt hat.
Lange wurde beklagt, dass der alte Stadtplatz mit zunehmender
Verkehrsdichte an Aufenthaltsqualität verloren hatte und zunehmend zum
Auto-Abstellplatz mutiert ist. Mit einer Reihe flankierender Maßnahmen
wurde Ende der 90er Jahre der Weg frei gemacht, dem Stadtplatz wieder mehr
Platzcharakter zu geben.
Vilsbiburg liegt verkehrsgünstig am Knotenpunkt von zwei starken
Verkehrsachsen, der B 388 zwischen Passau und München sowie der B 299 von
Regensburg nach Burghausen. Somit kam über die Jahre immer mehr Verkehr in
die Stadt. Die logische Folge war, dass Autos und mehr noch die
Lastkraftwägen das Leben in der Stadt in den 80er und 90er Jahren fast
erstickten. Der ersehnte Bau der B 15 neu verzögerte sich indessen Jahr um
Jahr.
Erste Tische und Stühle
Der Bau der Kreisstraße LA 13 neu, der heutigen Umgehung, nahm zunächst
den größten Lärm und den Rußstaub des Schwerlastverkehrs aus dem
Chemiedreieck weitestgehend aus der Stadt. Nachdem die LA 13 neu in diesen
Tagen gesperrt ist, kann man live erleben, wie sehr sie die Innenstadt an
normalen Tagen entlastet. Verkehrsrechtlich war es am 28. Juli 2003 aber
die offizielle Verlegung der B 299 vom Stadtplatz auf den Pfarrbrückenweg,
der den Umbau des Stadtplatzes in der heutigen Form ermöglicht hat. Dazu
gehörte auch der Neubau der Vilsbrücke, nachdem das Straßenverkehrsamt
gerechterweise sagte, dass man die marode alte Brücke nicht einfach so in
den Aufgabenbereich der Stadt übertragen dürfe.
Schon in den 90er Jahren hat die Stadt zusätzliche Parkgelegenheiten in
Stadtplatznähe geschaffen, nachdem die Parkflächen am Stadtplatz für die
wachsende Zahl der Besucher der Einkaufsstadt Vilsbiburg nicht mehr
ausreichten. Der Fußweg über den Floßgassensteg zum Volksfest-Parkplatz
sowie der Parkplatz am Färberanger erleichtern seitdem Besuchern wie
Mitarbeitern der Geschäfte, in wenigen Minuten am Stadtplatz zu sein.
Damit wurde der Weg frei gemacht, damit das Cafe Gabriel und kurze Zeit
später das Eiscafe im Sommer Tische auf den Stadtplatz stellen durften.
Eine Entscheidung, die der damalige Stadtrat nur sehr zögernd und mit
großen Bedenken traf: Niemand konnte es sich damals vorstellen, dass man
inmitten der Blechwüste der parkenden Autos gemütlich Kaffee trinken
könnte.
Genau diese gastliche Atmosphäre ist es nun, die die meisten Vilsbiburger
und mehr noch die auswärtigen Besucher am neuen Stadtplatz so erfreut. Auf
der Sonnenseite reihen sich heute die Schirme und Tische von vier
Straßencafes, in denen man während des Wochenmarktes nur schwer einen
freien Platz findet. Wo früher ein hoher Bordstein eine strenge Grenze
zwischen viel Platz für die Autos und wenig Platz für die Fußgänger zog,
ist jetzt ein Straßenplatz entstanden, der mehr Miteinander verlangt.
Vilsbiburg ist zu klein, als dass eine reine Fußgängerzone belebt werden
könnte. Es gehört zu einer Stadt dieser Größenordnung, dass man viele
Dinge schnell auf kurzen Wegen erledigen kann. Wenn es der Stadtverwaltung
gelingt, diese Form des Vilsbiburger Geschäftsalltags mit Augenmaß und
Fingerspitzengefühl mit der neuen Qualität des Stadtplatzes in Einklang zu
bringen, werden die Mühen und Einschränkungen der vergangenen 26 Wochen
nicht vergeblich gewesen sein. Und eines wird sich schon am Wochenende
zeigen: Dass die Vilsbiburger einen tollen Platz bekommen haben. Auf dem
sich prima feiern lässt, wann immer sich eine Gelegenheit dazu bietet.
Text: Vilsbiburger
Zeitung vom 11.09.2008 |