Einweihung des Stadtplatzes
am 12. September 2008

Der lange Weg zum neuen Stadtplatz


Der Umbau der "guten Stube" der Stadt wurde seit vielen Jahren vorbereitet
  

Von Georg Soller Vilsbiburg. Mit der Eröffnung des neu gestalteten Stadtplatzes am Freitag vollendet sich ein Kapitel der Stadtentwicklung, das die Vilsbiburger Kommunalpolitiker über Jahrzehnte beschäftigt hat. Lange wurde beklagt, dass der alte Stadtplatz mit zunehmender Verkehrsdichte an Aufenthaltsqualität verloren hatte und zunehmend zum Auto-Abstellplatz mutiert ist. Mit einer Reihe flankierender Maßnahmen wurde Ende der 90er Jahre der Weg frei gemacht, dem Stadtplatz wieder mehr Platzcharakter zu geben.

Vilsbiburg liegt verkehrsgünstig am Knotenpunkt von zwei starken Verkehrsachsen, der B 388 zwischen Passau und München sowie der B 299 von Regensburg nach Burghausen. Somit kam über die Jahre immer mehr Verkehr in die Stadt. Die logische Folge war, dass Autos und mehr noch die Lastkraftwägen das Leben in der Stadt in den 80er und 90er Jahren fast erstickten. Der ersehnte Bau der B 15 neu verzögerte sich indessen Jahr um Jahr.
Erste Tische und Stühle
Der Bau der Kreisstraße LA 13 neu, der heutigen Umgehung, nahm zunächst den größten Lärm und den Rußstaub des Schwerlastverkehrs aus dem Chemiedreieck weitestgehend aus der Stadt. Nachdem die LA 13 neu in diesen Tagen gesperrt ist, kann man live erleben, wie sehr sie die Innenstadt an normalen Tagen entlastet. Verkehrsrechtlich war es am 28. Juli 2003 aber die offizielle Verlegung der B 299 vom Stadtplatz auf den Pfarrbrückenweg, der den Umbau des Stadtplatzes in der heutigen Form ermöglicht hat. Dazu gehörte auch der Neubau der Vilsbrücke, nachdem das Straßenverkehrsamt gerechterweise sagte, dass man die marode alte Brücke nicht einfach so in den Aufgabenbereich der Stadt übertragen dürfe.
Schon in den 90er Jahren hat die Stadt zusätzliche Parkgelegenheiten in Stadtplatznähe geschaffen, nachdem die Parkflächen am Stadtplatz für die wachsende Zahl der Besucher der Einkaufsstadt Vilsbiburg nicht mehr ausreichten. Der Fußweg über den Floßgassensteg zum Volksfest-Parkplatz sowie der Parkplatz am Färberanger erleichtern seitdem Besuchern wie Mitarbeitern der Geschäfte, in wenigen Minuten am Stadtplatz zu sein. Damit wurde der Weg frei gemacht, damit das Cafe Gabriel und kurze Zeit später das Eiscafe im Sommer Tische auf den Stadtplatz stellen durften. Eine Entscheidung, die der damalige Stadtrat nur sehr zögernd und mit großen Bedenken traf: Niemand konnte es sich damals vorstellen, dass man inmitten der Blechwüste der parkenden Autos gemütlich Kaffee trinken könnte.
Genau diese gastliche Atmosphäre ist es nun, die die meisten Vilsbiburger und mehr noch die auswärtigen Besucher am neuen Stadtplatz so erfreut. Auf der Sonnenseite reihen sich heute die Schirme und Tische von vier Straßencafes, in denen man während des Wochenmarktes nur schwer einen freien Platz findet. Wo früher ein hoher Bordstein eine strenge Grenze zwischen viel Platz für die Autos und wenig Platz für die Fußgänger zog, ist jetzt ein Straßenplatz entstanden, der mehr Miteinander verlangt.
Vilsbiburg ist zu klein, als dass eine reine Fußgängerzone belebt werden könnte. Es gehört zu einer Stadt dieser Größenordnung, dass man viele Dinge schnell auf kurzen Wegen erledigen kann. Wenn es der Stadtverwaltung gelingt, diese Form des Vilsbiburger Geschäftsalltags mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl mit der neuen Qualität des Stadtplatzes in Einklang zu bringen, werden die Mühen und Einschränkungen der vergangenen 26 Wochen nicht vergeblich gewesen sein. Und eines wird sich schon am Wochenende zeigen: Dass die Vilsbiburger einen tollen Platz bekommen haben. Auf dem sich prima feiern lässt, wann immer sich eine Gelegenheit dazu bietet.

Text:    Vilsbiburger Zeitung vom 11.09.2008