Ein Kapitel Stadtgeschichte geht zu Ende

Die letzten Kapuziner aus dem Bistum verabschiedet
"Die Vilsbiburger werden Sie nicht vergessen"

Lichterprozession am Stadtplatz

Lichterprozession bei der Bergkirche
Lichterprozession

Abschied in der Bergkirche

  
V i l s b i b u r g . Die Kapuziner-Patres wurden im Rahmen eines Festgottesdienstes am Samstag abend aus Vilsbiburg und zugleich aus dem Bistum Regensburg verabschiedet. Sehr viele Gläubige nahmen in der Wallfahrtskirche Maria Hilf und auf dem Vorplatz der Kirche an der Feier teil, die Weihbischof Vinzenz Guggenberger im Beisein der Priester des Dekanats zelebrierte. "Die Stimmung heute ist voll Wehmut", sagte er an die Adresse der Kapuziner, die mangels Nachwuchs neben Vilsbiburg noch weitere Standorte aufgeben müssen. Verschiedene Redner sagten den in der Stadt hochverehrten Patres ihren Dank.

Weihbischof und Kapuziner Pater Franz
Weihbischof Vinzenz Guggenberger (Mitte) und die Priester des Dekanats beim Gottesdienst zum Abschied der Kapuziner (vorne) aus Vilsbiburg. Bürgermeister Helmut Haider überreichte Pater Franz ein Gemälde über die Lichterprozession.

  
"Der Berg" ist für viele Vilsbiburger ein Ort mit vielfältigen Erinnerungen, eine Stätte der Zuflucht, von der Trost und Hilfe ausging. Jahrzehntelang waren die Kapuziner auch mit der Krankenhaus-Seelsorge betraut, und der "Dreizehnte", der Vilsbiburger Fatimatag, war ein Festtag der Marienverehrung. Vor allem die älteren Vilsbiburger waren in ihrem Glauben von den Kapuzinern geprägt; nicht umsonst waren die großen Seelsorger des Berges mit hohen Ehren der Stadt bedacht worden. Die Menschen der Stadt und aus einem weiten Umland hielten treu "zum Berg" und spendeten stets Geld wie Naturalien, wenn die Patres - etwa zur Renovierung der Bergkirche - darum baten.

"Unsere Personalnöte sind sehr, sehr groß", sagte der Pater Provinzial, Werner Labus, in seiner Begrüßung. Den Konvent in Vilsbiburg aufzulösen, sei eine schwerwiegende Entscheidung, zumal hier das Grab von Pater Viktrizius Weiß liegt, dessen Seligsprechung die Kapuziner verfolgen. Diese werde unvermindert weiterverfolgt, versprach Pater Werner, und auch zur Mithilfe in der Wallfahrt würden sich die Mitbrüder gerne rufen lassen.

Stadtpfarrer Siegfried Heilmer erinnerte in seiner Rede an die großen Seelsorger-Persönlichkeiten, die während der 212 Jahre des religiösen Wirkens der Kapuziner die Stadt prägten. Das Grab von Pater Viktrizius werde weiterhin eine Gebetsstätte bleiben, auch Pater Olaf und Pater Pius würden den Menschen hier in besonderer Erinnerung bleiben.

Dank sagte der Stadtpfarrer auch an Pater Werner, dass die Pfarrei rechtzeitig von der Entscheidung der Kapuziner unterrichtet wurde. In der Zwischenzeit habe man eine Lösung gefunden, damit die Wallfahrtsseelsorge übergangslos weitergehen könne: Kaplan Karl Heinz Seidl wird neuer Wallfahrtsdirektor auf dem Berg in einer Seelsorge-Einheit mit der Pfarrei. Dennoch: "Es tut weh, wenn auf dem Berg keine Kapuziner mehr sind. Das Kloster wird für sie immer bestehen und offen bleiben", sagte Heilmer.

Bürgermeister Helmut Haider verabschiedete sich mit einem Bild von der Lichterprozession von den Vilsbiburger Kapuzinern. Im Rathaus habe man alles versucht, den Orden in seiner Entscheidung umzustimmen, jedoch müsse man die Begründung am Ende akzeptieren. Wenngleich er froh sei, dass die Seelsorge auf dem Berg weitergehe, so Haider, ende mit dem Weggang der Patres ein Stück Stadtgeschichte: "Die Menschen aus Vilsbiburg und aus den Nachbargemeinden werden Sie nicht vergessen".

Dekan Walter Schnellberger und der Vorsitzende der Kirchenstiftung, Fritz Boger, waren weitere Redner. Boger versieht zusammen mit Organist Eugen Polster seit 43 Jahren seinen Dienst auf dem Berg, nachdem beide neunjährig als Ministranten bei Pater Olaf begannen. Er erinnerte an die eindrucksvollen Gottesdienste anlässlich des Schülertreffens und des Freilichtspiels: "Wir sind glücklich, dass wir jetzt einen jungen Geistlichen gefunden haben, und hoffen, dass der Strom der Beter auf den Berg nicht abreißt".
 

Lichterprozession Prominenz bei der Lichterprozession
Lichterprozession

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Feuerwerk

 
Der Abschied von den Kapuzinern war eingebettet in die Maria-Namen-Feier. Von der Pfarrkirche aus ging eine große Prozession durch die mit Kerzen und Lichterketten beleuchtete Stadt zum Berg. Den Gottesdienst gestaltete der Bergchor mit festlicher Kirchenmusik. Dennoch war die Wehmut des Abschieds deutlich zu spüren. Die scheidenden Patres kämpften während des Gottesdienstes mit den Tränen, einige Besucher ließen ihnen freien Lauf. Nach dem Gottesdienst wurde hinter der Kirche ein Brillantfeuerwerk entzündet. Bevor der Abend mit einem Empfang im Kloster endete, gab der Musikverein auf dem Vorplatz ein Standkonzert.       Georg Soller

Text und S/W Fotos aus der Vilsbiburger Zeitung vom 13.09.99

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