Historisches Ereignis zur Seligsprechung

Seligsprechungsprozess für Pater Viktrizius Weiß wurde 1929 eröffnet 

      

Pater Viktrizius Weiß
Der bischöfliche Gerichtshof am Grab von Pater Viktrizius. (Foto: Heimatverein Vilsbiburg)

 

 

Vor genau 80 Jahren war der Seligsprechungsprozess für Pater Viktrizius Weiß, fünf Jahre nach dessen Tod, in eine erwartungsvolle Phase gerückt. Erste Untersuchungen zur schriftlichen Hinterlassenschaft wurden in Passau angestellt.  In einer Rückschau erinnert der Vilsbiburger Anzeiger vom 9. August 1958 an die Ankunft von Pater Viktrizius in Vilsbiburg: „Am 8. August sind es auf dem Tag genau 50 Jahre, dass Pater Victricius, der jetzt in der Wallfahrtskirche begraben liegt und der, wie alle Vilsbiburger hoffen, schon in Kürze selig gesprochen werden wird, als Exprovinzial in das Kapuzinerkloster Vilsbiburg versetzt wurde.“ Mit der Seligsprechung an sich, ging es dann doch nicht so schnell, denn noch heute warten die Vilsbiburger auf ein Zeichen aus Rom. Nach dem Tod von Pater Viktrizius am 8. Oktober 1924 - verstorben auf Maria Hilf - wurde der Leichnam zunächst im dortigen Kapuzinerfriedhof begraben. Die große Verehrung und auffallende Erhörungen machten es nötig, schon nach drei Jahren den Verstorbenen in die Gruft im südlichen Seitenschiff von Maria Hilf zu überführen. Dies was mit Genehmigung durch Bischof Dr. Antonius von Henle am 19. Oktober 1927 erfolgt. Der „Ruf der Heiligkeit“ des Verstorbenen war so tief begründet, dass man wohl mit Sicherheit auf einen baldigen Seligsprechungsprozess warten konnte. In weiser Voraussicht hatte das Provinzialat der Bayerischen Kapuziner schon wenige Wochen nach dem Tode von Pater Viktrizius die Weisung ausgegeben, dass alle Mitbrüder die irgendwelche Kenntnisse über sein Leben hatten, dies unter Eid schriftlich niederzulegen hatten. Ob diese nach ihrem Urteil für die Tugenden oder gegen die Tugenden des Verstorbenen sprechen würde. Es wurde auch dafür gesorgt, dass alsbald die noch lebenden Geschwister, seine Bekannten aus dem Weltklerus, seine ehemaligen Studiengenossen, sowie sonstigen Bekannten aus der Laienwelt ihre Erinnerungen niederlegten, größtenteils unter Eid. Man wollte verhindern, dass wertvolle Informationen, vielleicht durch den Tod von besonders wichtigen Zeugen verloren gingen. Auf diese Weise kam auch innerhalb kurzer Zeit viel Material zusammen, welches zur Vorbereitung des Seligsprechungsprozesses diente. Große Schwierigkeiten machte die Überprüfung der vielen hinterlassenen Schriften, sie mussten sorgsam gesammelt, gelesen und in einem Schriftbild erfasst werden. Darunter fielen alle persönlichen Briefe, die Doktorarbeit, die Regelerklärung, sein geistliches Tagebuch, alle amtlichen Erlasse als Provinzial, Vorträge und Predigten. Befürchtet wurde schon vor 80 Jahren, dass der Prozess mancherlei Schwierigkeiten bringen könnte. Schon allein wegen der Tatsache, dass Pater Viktrizius fünf Mal das vertrauensvolle Amt eines Provinzial, des höchsten bayerischen Kapuziners innegehabt hat. Dann kann man sich auch die Fülle an Arbeit vorstellen, welcher Genauigkeit kirchliche Seligsprechungsprozesse unterliegen. Am Tag des heiligen Franz Xaver, den 3. Dezember 1929 wurde im bischöflichen Palast in Passau die erste Sitzung zur Seligsprechung von Pater Viktrizius abgehalten: „Super scriptis“ - über die schriftlichen Hinterlassenschaften des in Heiligkeit Verstorbenen. Der damalige Kapuziner-Ordensgeneral hatte den um den Seligsprechungsprozess des Bruders Konrad von Parzham hoch verdienten Pater Josef Anton wiederum als Vizepostulator des Seligsprechungsprozesses aufgestellt. Und schon 1930 schreibt Pater Ingbert Naab: „Wir wissen nicht wie lange es dauern wird, bis die Verhandlungen zu einem günstigen Ausgang führen werden. Aber wir geben der freudigen Erwartung Ausdruck, dass der gottselige Pater Viktrizius einmal selig gesprochen, und die Ehre der Altäre erlangen wird.“  In den nachfolgenden Jahren blieb die Erinnerung an den „Ehrwürdigen Diener Gottes“ Pater Viktrizius immer lebendig – der Ruf der Heiligkeit verdichtete sich; am 25. April 1935 eröffnete Bischof Michael Buchberger in Regensbug den Prozess für eine Seligsprechung. Der Bischöfliche Gerichtshof besuchte am gleichen Tag das Grab des „Dieners Gottes“ in der Wallfahrtskirche Maria Hilf in Vilsbiburg. Zum Gerichtshof gehörten: Monsignore Forster, Domvikar und Notar. Prälat Wührl, Domkapitular und Richter. Prälat Münz, Domkapitular und Richter. Pater Josef Anton Kessler, Vizeposthulator. Prälat Dr. Krieg, Hochschulprofessor in Regensburg, Vorsitzender des Gerichtshofes. Monsignore Meierl, Seminardirektor, Glaubensanwalt, genannt „Advokat des Teufels“.Vom Dienstag den 7. Mai 1935 bis Donnerstag tagte in Vilsbiburg der bischöfliche Gerichtshof des Seligsprechungsprozesses. Der Gerichtshof verhörte vier Karmelitinnen, die hochbetagte Ausgeherin des Kloster Kreszenz Reibl und den Krankenbruder Hermas.[1] Insgesamt wurden in der Vernehmung zur Seligsprechung 53 Zeugen befragt. Alle Zeugen hatten gemeinsam geäußert, sie haben Pater Viktrizius schon zu seinen Lebzeiten für einen Heiligen gehalten. Domkapitular Prälat Bernhard Hauth aus Passau berichtete: „Mir kam das heiligmäßige Leben des Pater Viktrizius mehr zum Bewusstsein als das des heiligen Bruders Konrad, den ich persönlich kannte.“ Der damalige Pfarrer Josef Seidenberger in Hohenkammer, erinnerte sich noch gut an seine Zeit als Kaplan in Geisenhausen und an die alljährliche Wallfahrt der Pfarrei nach Vilsbiburg: „Wenn ich gelegentlich der erwähnten Wallfahrt im Kloster der Kapuziner zum Mittagessen eingeladen war, saß ich immer an der Seite des Exprovinzial Pater Viktrizius. Ich hatte immer das Gefühl, da befindest du dich neben einem Heiligen, da gehörst zu eigentlich gar nicht hin.“1935 wurde der Informationsprozess über die Tugenden des „Diener Gottes“ und die auf seine Anrufung erfolgten Wunder, von dem durch Bischof Michael Buchberger eingesetzten Gerichtshof in Regensburg begonnen und im darauf folgenden Jahr vollendet.[2] Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte erst 1953/54 der durch politische und kriegerische Ereignisse stark beeinträchtigte Apostolische Prozess aufgenommen und beendet werden.  Als besondere Eigenschaft müssen wir die natürliche Einfachheit und Demut von Pater Viktrizius bezeichnen. Sein ganzer Lebensplan prägt sich in seinem Vorsatz aus: „Ama nesciri et pro nihilo reputari“, aus dem lateinischen übersetzt: „Liebe unbekannt zu bleiben und für nichts geachtet zu werden“.[3] Diesen Lebensgrundsatz suchte er mit größter Zähigkeit und zugleich mit einer ganz natürlichen Selbstverständlichkeit durchzuführen. Pater Ingbert Naab schreibt 1930: „ Es ist immer eine Gnade für ein Land und für ein Volk, wenn das höchste Urteil der Kirche den überragenden Tugendgrad eines Verstorbenen bestätigt, und die auf seine Fürbitte erlangten Erhörungen als Wunder anerkannt werden.“ 1958 wird berichtet: Die Causa befindet sich zurzeit in einem hoffnungsvollen Stadium, so dass wir wohl bald mit der Seligsprechung des Diener Gottes P. Viktrizius Weiß, des Priesters, Ordensmannes und Kapuzinerprovinzials rechnen dürfen!Peter Käser


[1] Vilsbiburger Anzeiger, 10. April 1935, 6. Mai 1935, 9. Mai 1935.
[2] P. Viktricius Weiß, Kapuziner, in: 1200 Jahre Bistum Regenburg, 1939, S. 260.
[3] P. Ingbert Naab: P. Viktrizius Weiß O. M. Cap. Ein Lebensbild, Seite 202.

 

 

© Peter Käser, Zenelliring 43/Binabiburg, 84155 Bodenkirchen.

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