Zum 85. Todestag des
„Stadtheiligen“ Pater Dr. Viktrizius Weiß

 

Für den 1924 verstorbenen Pater Viktrizius läuft seit 75 Jahren

ein Seligsprechungsprozess.
 

Pater Silverius Schießl, Guardian des Vilsbiburger Kapuzinerklosters, hat noch am Todestag von Pater Viktrizius, am Mittwoch den 8. Oktober 1924, ein Inserat beim Vilsbiburger Anzeiger aufgegeben, um am nächsten Tag der Vilsbiburger Bevölkerung wissen lassen, dass der Ehrwürdige Kapuziner, Pater Viktrizius Weiß, Doktor der Theologie und Exprovinzial, wohl vorbereitet durch den Empfang der heiligen Sakramente, abberufen wurde.

 Bei der Vorstellung der neuen Museumsschrift 2009/Nr. 11 des Vilsbiburger Heimatvereins, hat Wolfgang Balk die Porträts einiger Vilsbiburger Bürger besprochen, welche in der gleichnamigen Ausstellung im Heimatmuseum zu sehen sind. In einer 30seitigen Untersuchung wird in der Schrift auch ein Lebensbild des Vilsbiburger „Stadtheiligen“ Pater Dr. Viktrizius Weiß aufgezeichnet. Vor genau 85 Jahren war Pater Viktrizius im Alter von fast 82 Jahren gestorben, wovon er 58 Jahre als Priester und 49 Jahre im Ordensstand diente. 1842 in Eggenfelden geboren, kommt er 1853 auf die Königliche Lateinschule und in das Gymnasium nach Landshut. Über Frontenhausen kommt 1854 auch die Familie dorthin - für den Vater und Chirurgen Anton Weiß der Beginn einer dortigen 35-jährigen Tätigkeit. Anton Nikolaus, der spätere Pater Viktrizius wird am 29. Juni 1866 von seinem Cousin, Erzbischof Gregor von Scherr zum Priester geweiht, und feiert seine Primiz in der Landshuter Sankt Jodokkirche. Weiß wird Präfekt und Dozent in Freising. Er ist Freisinger Domprediger in den „Sturmjahren“ der deutschen Kirchengeschichte, kurz nach dem Ersten Vatikanischen Konzil 1869/70. In kontroversen Diskussionen galt es der Öffentlichkeit die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes zu erklären. Während seiner Tätigkeit im Freisinger Priesterseminar bereitet sich der Priester Weiß auf das höhere Lehrfach vor; 1871 promoviert er zum Doktor der Theologie. Der „innere Kampf“ um die Entscheidung zum Ordensberuf geht über mehrere Jahre. 1875 erhält Weiß den Habit der Kapuziner und den Namen Viktrizius – Sohn der Siegerin. Unruhig waren seine frühen Ordensjahre, er wechselt gar oft den Wohnort und die Klosterzelle. 1883 ist Viktrizius Guardian im Kloster Laufen, später auch in Burghausen und Eichstätt.


Porträt, Pater Viktrizius Weiß
  


Todesanzeige im Vilsbiburger Anzeiger vom 9. Oktober 1924

 Neun Jahre war er erst im Orden, da wählte ihn das Kapitel der Bayerischen Kapuziner 1884 zum Provinzial über die bayerischen Klöster. Nach zwei Jahren dieser ersten Amtsperiode gründet Pater Viktrizius 1886 die klösterliche Niederlassung der Kapuziner auf dem Maria Hilf Berg bei Vilsbiburg mit vier Patres und fünf Fratres. Der Zulauf nach Maria Hilf in Vilsbiburg war enorm angewachsen; 1893 werden 78.000 Hostien gebraucht. 1907 schreibt der 65-jährige Provinzial Viktrizius zum letzten Mal in einem Sendschreiben an seine Mitbrüder - und Viktrizius kämpft mit sich und seinen Kräften. Ein Jahr später lässt sich der fünfmalige Provinzial auf sein Altenteil im Kloster Vilsbiburg nieder. So lange es seine Sehkraft erlaubte, schrieb Viktrizius Beiträge zur religiösen Erbauung. Mit Aufgebot aller Kräfte las er noch einige Tage vor seinem Tod die heilige Messe. Am Mittwoch den 8. Oktober 1924 hat Pater Doktor Viktrizius Weiß seine Seele in die Hände des Schöpfers zurückgegeben - er war im „Rufe der Heiligkeit“ gestorben. Viktrizius wurde im Vilsbiburger Klosterfriedhof begraben. Die Verehrung des Verstorbenen machte es „auf allgemeines Verlangen des Volkes“ erforderlich, den Leichnam am 19. Oktober 1927 in die Gruft im rechten Seitenschiff der Maria Hilfkirche zu überführen. Schon beim Begräbnis 1924 nannte der Regensburger Bischof Henle, Pater Viktrizius einen Heiligen. Nachdem es immer wieder zu Gebetserhörungen gekommen war, konnte im Dezember 1929 der Informationsprozess zur Seligsprechung eingeleitet werden. 53 Personen wurden bei der Vernehmung befragt; am 25. April 1935 eröffnete Bischof Michael Buchberger den Prozeß der Seligsprechung für Pater Viktrizius Weiß. 1953 konnte der durch Kriegseinwirkung stark beeinträchtigte Apostolische Prozess wieder aufgenommen werden. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit fand 1954 die Rekognoszierung, die Begutachtung des Leichnams statt.

Stand der Seligsprechung

Schon 1954 heißt es: „…bis jetzt sind 36 Zeugen vernommen worden, alle Akten sind nach Rom gekommen“. Am 10. Mai 1979 wurde von Papst Paul II. das Urteil ausgesprochen und feierlich erklärt: Pater Viktrizius darf „Ehrwürdiger Diener Gottes“ genannt werden. Damit war ein wichtiger Schritt zur Seligsprechung getan. In einem Ad-limina-Besuch in Rom 1983, baten die bayerischen Bischöfe den Heiligen Vater, Pater Viktrizius selig zu sprechen.

Der Vizepostulator der Seligsprechung Pater Karl Kleiner bemerkt: „Pater Viktrizius ist im Rufe der Heiligkeit gestorben. Zahlreiche Gebetserhörungen nähren fortwährend das Vertrauen auf seine Fürbitte“. Eine Vilsbiburger Reisegruppe überbringt im August 2008 dem bayerischen Pontifex, Papst Benedikt XVI. eine vielseitige Informations- und Bittschrift über den Vilsbiburger „Stadtheiligen“ Pater Viktrizius Weiß. Die Abteilung für Selig- und Heiligsprechungen des Bistums Regensburg begleitet zurzeit vier Seligsprechungsverfahren. Das Verfahren zur Seligsprechung von Pater Viktrizius ist, was die historische Untersuchung betrifft, bereits auf diözesaner Ebene abgeschlossen und wird in Rom weiter bearbeitet. Domvikar Georg Schwager informiert aus Regensburg: „…der Seligsprechungsprozess macht gute Fortschritte und eine Seligsprechung ist durchaus möglich“.


 

© Peter Käser, Zenelliring 43/Binabiburg, 84155 Bodenkirchen.

Tel:08741 6999,  e-mail: kaeserpe@t-online.de                                                                Oktober 2009
 

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