Die drei Wappen im Chor der Pfarrkirche Vilsbiburg
Margarete von Österreich - die Herzöge von Bayern - Amalie von Sachsen.

Die früheste derzeitige Nennung einer Kirche in Vilsbiburg geht auf den 12. Juli 1265 zurück. Dabei wissen wir aber nicht, welche der beiden katholischen Kirchen - Spitalkirche St. Katharina oder die Pfarrkirche, damit gemeint ist. Nachdem im Jahre 1372 die Kirche Vilsbiburg von den Landshuter Herzögen, dem Kloster St. Veit (Neumarkt/Rott) übereignet wird, dauert es bis zum Jahre 1406 bis wir jede der Kirchen getrennt zuordnen können. Die derzeit früheste Nennung der Pfarrkirche "St. Maria" geht auf den 22. April 1406, die früheste Nennung der Spitalkirche "St. Katharina im

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Markt Biburg" auf den 20. September 1406 zurück. Die Mariahilfkirche ist in diese Forschungen nicht einbezogen

Den Chorabschluß in der Pfarrkirche Vilsbiburg bildet der Chorschluß mit dem bemalten Relief der hl. Maria. An den Rippenkreuzungen im Chor befinden sich drei bemalte Wappenschilder. In der Mitte die weiß-blauen Rauten der Reichen Herzöge von Landshut. Das linke Wappen der Margarete von Österreich, Gemahlin von Herzog Heinrich XVI. (der Reiche), - ein rotes Wappenschild mit einem weißen Querbalken, und rechts dem Wappen der Amalie von Sachsen, Gemahlin von Herzog Ludwig IX. (der Reiche). Mit diesen Darstellungen der Wappen kann der Pfarrkirchenbau von Vilsbiburg auch in den Zeitraum des Wirkens von Herzog Heinrich XVI. (1393-1450), Herzog Ludwig IX. (1450-1479) und ihren Ehefrauen eingeordnet werden.
Im Kirchenführer der Stadtpfarrkirche Vilsbiburg, wird der Pfarrsprengel und die damit zusammenhängende Synektik vom Jahre 1157 ab, sowie das auf Seite 6 genannte Wappen von "Polen" falsch dargestellt. Das rot-weiß-rote Wappen der Margarete von Österreich wird fälschlich der Hedwig (Jadwiga) von Polen, der Gattin Herzogs Georg des Reichen (1479-1503) von Landshut zugeordnet und damit der Vilsbiburger Pfarrkirchenbau mitsamt der Einwölbung des Chorbaues in eine falsche, spätere Zeitstellung gebracht.
In der Spitalkirche "St. Katharina" beim Stadtturm befindet sich im Langhaus, gegenüber dem Eingang, ebenfalls das Wappen der Margarete von Österreich (1395-1447) und im Chor die weiß-blauen Rauten der bayerischen Herzöge, womit auch der Bau der "Spital - Marktkirche" um das Jahr 1400 einzuordnen ist.
Im zweibändigen Werk von Beatrix Ettelt-Schönewald aus dem Jahr 1999 über die "Kanzlei, Rat und Regierung Herzog Ludwigs IX. des Reichen von Bayern-Landshut" erfahren wir sehr viel über das Leben und Wirken der Reichen Herzöge von Landshut. Viele bedeutende Familiennamen unserer Gegend kommen in den

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Aufschreibungen vor, viele Orte werden genannt.
In den nachstehenden Ausführungen sollen einige für unsere Gegend interessante Zusammenhänge in der Regierungszeit der Reichen Herzöge mit ihren Ehegatten und den Wappendarstellungen in der Pfarr- und Spitalkirche angeführt werden, wobei es aber nicht um die Beschreibung der einzelnen Wappen geht.

Margarete von Österreich.

Dem Ringen der Vormünder um die Macht im bayerischen Land des jungen Herzog Heinrich des Reichen (geboren 1386), nach dem Tode seines Vaters Herzog Friedrich, am 14. Dezember 1393, setzte Heinrichs Mutter Maddalena, Tochter des Barnaba Visconti aus Mailand, mit der Übernahme der Regierung für den unmündigen Heinrich, ein Ende. Die Unabhängigkeit blieb durch ihren Einsatz gewahrt, das Land allerdings geriet in immer größere finanzielle Schwierigkeiten. Als Herzog Heinrich im Jahre 1404 volljährig wurde, starb seine Mutter. Ein Jahr später verlobte er sich mit Margarete von Österreich (Margarete von Österreich: Tochter von Herzog Albrecht IV. von Österreich; geboren am 26. Juni 1395 in Wien; gestorben am 24. Dezember 1447 in Burghausen, begraben im Zisterzienserkloster Raitenhaslach - nachdem war Margarete bei der Verlobung erst 10 Jahre alt).

Nun müssten in diese Zeit auch die Neubauten der beiden katholischen Kirchen von Vilsbiburg fallen, da es sich beim rot-weiß-roten Wappen in der Spitalkirche und dem linken Wappen im Chor der Pfarrkirche um das Wappen der Margarete von Österreich handelt. Die derzeit früheste Nennung der Pfarrkirche mit dem Patrozinium St. Maria, ist der 22. April 1406. Am 29. Januar 1412 gehen aus einem Gut in Maulberg jährlich 36 Landshuter Pfennige an die "Frauenpfarrkirche zu Pyburchk", so erfahren wir es aus der Vilsbiburger Urkunde Nr. 2 die sich im Vilsbiburger Museum befindet. Nach einer Notiz mit der Signatur 105 des Bischöflichen Zentralarchivs in Regensburg werden 7 Altäre im Jahre 1413 geweiht. Im Repertorium des Kurfürstlichen Marktes Vilsbiburg von 1753 ist ein alter Brief aus dem Zechschrein der Pfarrkirche genannt: "... die Einweihung [Konsekration] des Gottshauses von Anno 1413 sambt denen 7 Altären enthaltend." Vor dem Chorbogen in der Pfarrkirche steht im Gewölbe die Jahreszahl 1414; die Bäckermesse wurde am 7. Mai 1422 gestiftet; restauriert wurde die Kirche im Jahr 1427 so lesen wir es auf einem Gedenkstein; am 3. September 1435 wird die Frühmesse in der Pfarrkirche genannt und als ein Weihedatum ist der

18. August 1437 überliefert und wird auch heute noch gefeiert.

War nach den Regensburger Matrikeln von 1433, Vilsbiburg noch beim Dekanat Dingolfing, so geschieht in den nächsten Jahren doch ein gewaltiger Umbau in der Dekanatsstruktur. Aus dem "Registrum caritativi subsidii" vom Jahr 1438 erfahren wir, dass Vilsbiburg nunmehr ein Dekanat mit 16 Pfarr- und Kirchenorten geworden ist. Geblieben sind aber der Leutepriester "Plebanus" und die drei Kapläne, die auch schon 1433 genannt werden.

Dies geschieht nun alles in der Regierungszeit des Herzog Heinrich von Landshut und seiner Gattin Margarethe. Heinrich der Reiche erneuert am 6. Dezember 1446 die Privilegien des Rates und der Bürger des Marktes Vilsbiburg. Dabei nennt er auch die früheren Urkunden (Handfest) von den Herzögen Heinrich, Otto und Heinrich aus dem Jahre 1323.

Heinrich verheiratete seine Kinder standesgemäß sehr gut: 1430 vermählte er seine älteste Tochter Johanna mit dem in Mosbach regierenden Pfalzgrafen Otto; die jüngere Elisabeth mit Graf Ulrich V. von Württemberg und die Hochzeitsabrede vom 18. April 1450 mit Herzog Friedrich von Sachsen für den Sohn Ludwig füllten seine letzten Regierungsjahre aus. In den Urkunden setzt Herzog Heinrich sein spezielles Handzeichen "h.h. wolt got".

Heinrichs Regierungszeit war geprägt von der "Innenpolitik", der Sicherung und Festigung seiner Herrschaft. Heinrichs Sohn Ludwig erwies sich später als ebenso guter Aussenpolitiker wie einst Herzog Friedrich von Bayern-Landshut, wobei er sich auf die Arbeit seines Vaters stützen konnte. Die Gerichte Rattenberg, Kitzbühel und Kufstein des ehemaligen Ingolstädter Herzogtums waren aufgrund der Silberbergwerke auch in finanzieller Hinsicht für Heinrich erstrebenswert. Sie sicherten den Reichtum der Landshuter Herzöge, die den Beinamen "die Reichen" führten.

Herzog Heinrich hatte der Regensburger Kirche unter Bischof Konrad VII. (1428-1437) manche Dominikalrechte auf den Herrschaften Velden und Eberspeunt bestritten und die Leute des Bischofs in den genannten Orten beliebig besteuert. Bischof Konrad klagte darüber beim König auf dem Hoftag zu Nürnberg und dieser untersagte am 29. April 1431 dem Herzog künftig auf solche "gebührliche Belastungen" zu verzichten.

Aber schon der Nachfolger von Konrad, Bischof Friedrich II. - von Parsberg (1437-1449) musste wegen der Schulden seines Vorgängers als erste Regierungsverhandlung, die Verpfändung des Schlosses und der Herrschaft Eberspeunt an Herzog Heinrich von Landshut am 1. Februar 1438 übernehmen. Da auch das Regensburger Kapitel mit der Verpfändung einverstanden war, ist kaum ein Zweifel darüber möglich, welche Schulden mit der ungeheuerlichen Summe bezahlt wurden. Herzog Heinrich gab dem Bischof für die Herrschaft Eberspeunt 5000 Ungarische Golddukaten, 4000 Rheinische Goldgulden und 4471 Pfund Landshuter Pfennige.

Weitere regionale Aufschreibungen befinden sich bei der Kanzlei des Herzogs: im Urbarsbuch vom 8. August 1439 des herzoglichen Kastens sind die jährlichen Einnahmen an Getreide und Gülten des Amtes Neumarkt und Biburg, wie auch vom Amt Triendorf mit den Ankäufen, den von Asam Seyboldsdorfer veräusserten Abgaben an Herzog Heinrich im Jahr 1437 von den Orten Rebensdorf, Helmsdorf, Reichelkofen und Diemannskirchen aufgezeichnet (BHStAM - Geheimes Landesarchiv Kurbayern HF Cons. Cam. 121/I).

Aus einem Aufschreibbuch für die Hofmark Eberspeunt vom Jahr 1453 geht hervor (BHStAM KB U 12827): Register der Kastengült zu Eberspeunt an Wiesgeld, Getreidgült, Schweinegült, und alle anderen Gülten in Lern (Vilslern) oberhalb der Vils, Schweinegült in der Hofmark zu Velden, dazu gehören die Güter des Hofmeisters Wilhelm Fraunhofer von Alt/Neufraunhofen. Im Markt Velden: Hausherren, Hofstätten, Burglehen, Wiesen, Äcker, Zapfenrecht. Getreidegült an Weizen, Korn, Hafer in der Herrschaft Eberspoint, Lämmer, Gänse, Diensthühner, Fastnachthühner, Eier, Käse, Ölzins, Erbsengült, Tagwerk und Wiesmad, Dienstheu, Kraut. Eigenleute in der Eberspointer Herrschaft, die keine Abgaben leisten, sind insgesamt 240 Männern (die Frauen und Kinder nicht mitgerechnet). Nieder-(Unter)ensbach ist arm und gibt nichts.

Herzog Ludwig IX. von Landshut.

Margarete von Österreich, die Witwe Heinrich des Reichen von Landshut und Mutter von Ludwig IX. lebte zurückgezogen vom Landshuter Hof auf der Burg in Burghausen. Sie brachte drei Söhne zur Welt, von denen lediglich Ludwig überlebte. Beschrieben wird sie "als Frau mit gewöhnlichem Geiste, gepaart mit Frömmigkeit und dem stolzen Gefühl fürstlicher Würde und herablassend menschenfreundlichem Zug."

Ludwig nahm schon zu Lebzeiten seines Vaters Heinrich an verwaltungstechnischen Aufgaben, sowie auch an innenpolitischen Entscheidungen teil. Die eigene erste urkundliche Erwähnung von Ludwig geht auf den 27. Januar 1433 zurück. Man kann wohl davon ausgehen, daß Herzog Ludwig im Jahre 1434, im 17. Lebensjahr volljährig geworden ist.

Die Hochzeitsabrede für den Sohn Ludwig gehörte zu einer der letzten Handlungen von Herzog Heinrich. Ludwig soll verheiratet werden mit einer sächsischen Herzogin. Margarete von Sachsen, Landgräfin zu Thüringen und Markgräfin zu Meißen, geborene Herzogin von Österreich, schrieb am 3. Februar 1450 an Herzog Heinrich und gratulierte zur Verlobung ihrer Tochter Amalie mit seinem Sohn Ludwig.

Im Heiratsbrief vom 18. April 1450 von Herzog Ludwig mit Amalie von Sachsen siegelt Wilhelm Fraunhofer zu Fraunhofen (Alt/Neufraunhofen). Er enthielt diese Bestimmungen: Das Heiratsgut der Amalie (geboren 13. April 1435 - gestorben 18. November 1502) sind 19 000 Rheinische Gulden, diese waren binnen Jahresfrist zu zahlen. Die Morgengabe von Ludwig für seine Braut Amalie belief sich auf 3000 Rheinische Gulden jährlich. Die eigentliche Hochzeit fand aber erst nach dem Tode Herzog Heinrichs statt.

Am 30. Juli 1450 starb Herzog Heinrich (Herzog von 1393-1450) in Landshut und wurde im Kloster Seligental begraben. Zwei Tage später teilte sein Sohn Ludwig den Fürsten des Reichen das Ableben seines Vaters mit. Er lud die Räte des Landes zu einer Unterredung ein. Dabei tauchten auch einige Hoch-, Nieder-, und Ortsadelige mit Namen auf, die für uns doch ganz interessant sind: Graf Georg von Ortenburg, Theseres Fraunhofer (Alt/Neufraunhofen), Jobst Herberger von Schloß Egglkofen, Hans und Ortlof Trennbeck (Trennbach bei Gangkofen), Hans Eckher von Thurn, Biegendorf (Frontenhausen) und Brunn, Christoph Hackh von Haarbach-Vilsbiburg; Andre und Caspar Radlkofer (Radlkofen bei Gangkofen), Caspar Neuhauser zu Neuhausen/Rutting, Mathes und Hans Poxauer, Wolfgang und Jobst Westerskirchner (Westerskirchen), Ludwig Puchbeckh Ortsadeliger von Binabiburg, Hans Pschachl von Psallersöd (bei Treidlkofen), Alex Ebenhauser von Bonbruck - um hier nur einige zu nennen.

Als Herzog Ludwig am 4. August 1450 nach Landshut kam, war die Leiche seines Vaters bereit in der Gruft zu Seligental aufgebahrt. 30 Tage lang blieb die Gruft von 20 Kerzen erhellt, während täglich die Vigilien gesungen und jeden Morgen ein Seelenamt gefeiert wurde. Die Zeremonie zog sich offensichtlich nochmals über 2 Wochen hin, bis die Herren der Landschaft, -die Repräsentanten der Landgemeinde- Prälaten, Ritter, Städte und Märkte ihrer Erbhuldigung Folge leisteten. Ludwig übernahm die Räte und Diener seines Vaters weshalb der Regierungswechsel reibungslos vor sich ging.

Am 23. September 1451 wird aus der Kanzlei von Herzog Ludwig IX., dem Rat und den Bürgern des Marktes Vilsbiburg die Freiheiten und Privilegien bestätigt, die auch schon sein seliger Vater Heinrich von neuem "Confirmirt" hatte (BHStAM GU Biburg 919). Gleiches geschieht schon am 2. November 1450 für den Markt Neumarkt/Rott; am 7. November für das Kloster Seemannshausen; am 15. November für den Markt Frontenhausen; am 17. Dezember für den Markt Gangkofen, mit der gleichzeitigen Verleihung eines Jahrmarktes und einen Tag später mit der Ausstellung eines Wappenbriefes für den Markt Gangkofen und dem Eintrag im Register. Christoph Hackh von Haarbach, dessen großer Grabstein sich in der Pfarrkirche Vilsbiburg befindet, wird am 2. Februar 1453 von Herzog Ludwig der Bestallungsbrief auf den Posten des Pflegers überreicht.

Hielt sich Herzog Heinrich an die Abmachung des Papstes, die Juden in Ruhe zu lassen und sie auch nur zu Kasse zu bitten, wie erlaubt, so änderte sich diese Einstellung bei Ludwig rapide. Am 5. Oktober 1450 erfolgte die Ausweisung aller Juden aus dem Herzogtum Bayern-Landshut und die Gründe waren in erster Linie wirtschaftliche und religiöse Motive.

Amalie von Sachsen

Mit dem gleichen Prunk, wie später die berühmt gewordene Landshuter Hochzeit von Herzog Georg im Jahre 1475, feierte auch Herzog Ludwig IX. in Landshut vom 13.bis 27. Februar 1452 mit seiner Auserwählten Amalie von Sachsen seine Hochzeit. Fürsten, Grafen und Ritter holten die Braut in feierlichem Zuge ein und führten sie durch die Stadt in die Landshuter Pfarrkirche St. Martin. Hier wurde Amalie durch den Erzbischof von Salzburg mit Ludwig vermählt. Beim Hochzeitsmahle speisten Fürsten und Fürstinnen getrennt. Zur Hochzeit waren etwa 22 000 Menschen geladen. 9000 Pferde wurden gefüttert, 350 Hirsche, 400 Ochsen ohne die unzähligen Kälber, Schweine und Geflügel wurden allein in den drei Tagen der Fastnacht verzehrt, am Aschermittwoch wurden für 1800 Gulden Fische verzehrt.

Erheblich beeinträchtigt wurden die Regierungsjahre von Herzog Ludwig durch den Krieg mit Markgraf Albrecht von Brandenburg im Jahre 1462/63. Eine Kriegskostensteuer von 143 000 Gulden wurde durch überhöhte Steuerabgaben eingetrieben.

Während sich das Verhältnis zum Reich verschlechterte, blieb das zur Kurie weiterhin gut, was sich auch zu dieser Zeit bei den Kirchenneubauten zeigte. In vielen, Mitte des 15. Jahrhunderts erbauten Kirchen unserer Umgebung ist im Chor oder am Chorbogen zum Langhaus das Wappen der Herzöge von Bayern, aber auch das ihrer Gemahlinnen abgebildet: Das rote Wappen mit dem weißen Querstreifen der Margarete von Österreich, das Wappenschild der Amalie von Sachsen, der weiße Adler auf rotem Grund der Hedwig von Polen.

Caspar Westendorfer

Für uns überaus interessant ist die Anwesenheit des geborenen Vilsbiburgers, nunmehr Pfarrer von St. Jodok in Landshut - Magister Caspar Westendorfer, als Beisitzer am Hofgericht und im Rat (ca.1470-1477) des Herzogs. Die Ratsliste von Herzog Heinrich 1447 nennt noch keinen einzigen Geistlichen im Ratsgremium. Unter Herzog Ludwig hat sich dieser Zustand im Rat geändert. Als "Meister" des canonischen Rechts und im

geistlich-theologischen Stande wurde Caspar Westendorfer in das Ratsgremium von Herzog Ludwig aufgenommen und sitzt somit auch in der Landschaft. Die Pfarrherren von St. Martin und St. Jodok zu Landshut gehörten nunmehr traditionell zum herzoglichen Ratskollegium. Dies zeugt schon von einer hochkarätigen besetzten Intelligenz auf dem Pfarrerposten von St. Jodok. So führt Westendorfer nach einer Urkunde vom 31. März 1470 die Verhandlungen zwischen Herzog Ludwig von Landshut, Herzog Albrecht IV. von München und dem Regensburger Bischof Heinrich wegen der in einer päpstlichen Bulle angeordneten Reformation der Frauenklöster von Regensburg. In einem Verkaufsbrief, der sich im Museum Vilsbiburg befindet, (Urkunde Nr. 19) erfahren wir am 9. April 1480 -vielleicht zum letzten Mal- etwas über Caspar Westendorfer, Pfarrer von St. Jodok in Landshut und sein im Jahre 1476 "...neu gestiftetes Spital zu Vilsbiburg."

Bereits am 31. August 1450 werden im Zollhaus in Landshut acht Räte von Herzog Ludwig des Reichen gewählt, darunter auch Caspar Ebenhauser (er gehört zur Stammeslinie der Adeligen Ebenhauser von Bonbruck, die ihr Wappen auf einem Schlußstein in der Kirche von Bonbruck haben). Er ist Propst des Klosters Baumburg im Chiemgau.

Die Heiratspolitik Herzog Ludwigs erscheint als eine außerordentlich erfolgreiche. 1474 vermählt er seine Tochter Margarete mit Philipp, dem Neffen des Kurfürsten Friedrichs I. von der Pfalz. Ein Jahr später wurde die Verbindung seines Sohnes Georg mit Prinzessin Hedwig (Jadwiga), der Tochter des polnischen Königs Kasimir IV. in der weithin berühmten und prächtigen Hochzeit in Landshut gefeiert, der auch Kaiser Friedrich III. und sein Sohn Maximilian beiwohnten. In den Urkunden setzt Herzog Ludwig sein spezielles Handzeichen "a du freyst mych h.l."

Der Konflikt mit dem Landstand und auch die Einsicht aus seiner eigenen Jugend mögen Herzog Ludwig veranlaßt haben, die Erbhuldigungen für seinen Sohn und Nachfolger Georg bereits 1469/70 durchzuführen. Die Landstände huldigen Herzog Georg den Reichen also bereits im 17. Lebensjahr. Georg (geboren 15. August 1455) bestätigte die Rechte und Privilegien seiner Untertanen. Am 31. Oktober 1471 hat "Jorg [Georg] von Gottes genaden Pfalzgraf bei Rein Herzoge zu Nider und obern baiern" dem Rat und der "ganzen gemainde unseres margkhts Piburg" die Freiheiten, Rechte und Gewohnheiten "nach altem Herkommen gnädiglich bestätigt."

Die dringenden Verhandlungen der Landschaft von Nieder- und Oberbayern, wegen der aus dem Süden anrückenden Türken, wurde jedoch durch den Tode von Herzog Ludwig am

17. Januar 1479 unterbrochen und nicht mehr zu Ende geführt.

Sein Sohn, Herzog Georg hatte die Regierungsgeschäfte übernommen und unterschrieb mit seinem speziellen Handzeichen "wy got wyl h.g." Die Linie der Reihen Herzöge von Landshut endete mit dem Tode Herzogs Georg am 1. Dezember 1503 ohne männlichem Nachkommen in den blutigen Kämpfen des Landshuter Erbfolgekrieges zwischen Elisabeth, der Tochter Georgs, ihrem Gemahl dem Pfalzgrafen Rupert und Herzog Albrecht IV. von Bayern- München, wonach Vilsbiburg - Markt und Gericht, zu Herzog Albrecht IV. kam.

Das im Kirchenführer von Vilsbiburg auf Seite 6 genannte Wappen im Chor der Pfarrkirche, der Hedwig von Polen (gestorben 19. Februar 1502), die mit Herzog Georg den Reichen verheiratet war, ist nicht richtig. Das Wappenschild von Polen hat einen einfachen weißen Adler auf rotem Grund. Somit stimmt auch die im Kirchenführer genannte spekulative Jahreszahl 1475/1502, -die sich auf das polnische Wappen bezieht-, mit der Einwölbung des Chores der Pfarrkirche von Vilsbiburg, nicht. Der Neubau und muß schon viele Jahre früher geschehen sein. Nunmehr kann durch diese Nachforschungen, die vor dem Chorbogen im Chor sich befindende Jahreszahl 1414 für den Chor und die Langhaushalle, als Baudatum gut eingeordnet werden, wozu die Weihe von 7 Altären -nach den Aufschreibungen im Bischöflichen Zentralarchiv Regensburg- im Jahre 1413, einen abgeschlossenen sakralen Baukörper voraussetzt, - also zur Zeit Herzog Heinrichs und seiner Gattin Margarete von Österreich, deren rot-weiß-rotes Wappen sich auf der linken Seite auf den Rippenkreuzungen im Chor befindet. Somit könnte sich auch über den Baumeister der Vilsbiburger Kirchen eine neue Perspektive entwickeln.

Insgesamt geht der bis zur heutigen Zeit angesetzte Versuch einer Erklärung der frühen Vilsbiburger Pfarr- und Kirchengeschichte, mit den bis Dato versuchten Zusammenhänge, nunmehr voll auf. Der Synergie einer falschen geschichtlichen Annahme, hat der Vilsbiburger Kirchengeschichte nur spekulative Geschichtswahrheit gebracht.

Peter Käser
Zenelliring 43/ Binabiburg
D - 84155 Bodenkirchen
Tel: 08741 6999
e-mail: kaeserpe@t-online.de
Mitarb. Nr. 2846

Quellen:
Westendorfer, Rat> 1470-1477 bei Kanzlei Hz. Ludwig, S. 199f; Westendorfer Meister Rat> Kanzlei S. 644.
Stadtpfarrkirche Vilsbiburg mit Filial-und Nebenkirchen; Verlag Schnell & Steiner GMBH & CO, München und Zürich; Schnell, Kunstführer Nr. 1652, Erste Auflage 1987, Verfaßt: Dipl.-Ing. Dr. phil. Fritz Markmiller, Dingolfing. Seite 1 Geschichte der Pfarrei - Geschichte der Kirche; Seite 6 Wappen - Beschreibung.
Heinrich Egner: Hochzeit des Herzog Ludwig 1452, Vilsbiburger Zeitung.
> Rerum Boicarum Scriptores, Bd. II, Andreas Felix Oefele, 1763 darinnen: Joannis Vetter, Fasti Cosulares Landishutani S. 765 - Margarethe von Österreich und Herzog Heinrich.
<< Kanzlei, Rat und Regierung Herzog Ludwigs des Reichen von Bayern-Landshut (1450-1479) von Beatrix Ettelt-Schönewald, Band I, Mchn 1996 - allgemeine Beschreibung des Hof- und Rentamtes und der Kanzlei; Band II. München 1999, Namen der Adeligen und Urkunden.; Schriftenreihe zur Bayerischen Landesgeschichte, Herausg. von der Kommission für bay. Landesgeschichte bei der bay. Akademie der Wissenschaft Bd. 97/1 und 97/2. (NBCB= Neuburger Copialbücher; PN U = Pfalz Neuburg Urkunden; PN BezzSt= Pfalz Neuburg Beziehung zu Stiften; KÄA 0 Kurbayern Äußeres Archiv; KB =Kurbay. geheimes Landesarchiv;
Band 1, Seite 644 Caspar Westendorfer, Pfarrer St. Jodok; Rat Herzog Ludwigs,
Band 2, Gelehrte Juristen S. 199/200 Rat Herzog Ludwigs 1470-1477.
Dr. Ferdinand Janner, Geschichte der Bischöfe von Regensburg, Band III; S. 429 Eberspeunt - Velden, Besteuerung durch Hz. Heinrich
Urkunden im Museum Vilsbiburg.
Saalbuch Museum Vilsbiburg vom Jahre 1753

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