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Vilsbiburg. Auf Digitalkameras wird Alfred Kröhn wohl
nicht mehr umsteigen. "Ich bin ein Nostalgiker", sagt er. Ein paar
Mitstreiter hat er noch. Andere Hobbyfotografen drücken dagegen schon
digital auf den Auslöser. Einmal im Monat treffen sich die
kameraverrückten Fotografen zum Fachsimpeln und gegenseitigen
Gedankenaustausch. Es ist eine reine Männerrunde, die sich jeden zweiten
Dienstag im Monat in Heidi's Cafe am Stammtisch trifft. Eines haben sie
gemeinsam: ihr Interesse für Fotografie und alles, was damit zu tun hat.
Kisten- und tütenweise bringen die Hobbyfotografen Anschauungsmaterial
mit. Und lassen somit ein Stückchen Vergangenheit aufleben. Vom
Schlauchboot-Trip in einem amerikanischen Canyon über die Altstadt
Landshuts in den 60er Jahren - die Bilder sind Zeitzeugen. Auch deshalb
hängt Alfred Kröhn so sehr an seiner analogen Kamera: "Großmutters Bilder
kann man auch in 100 Jahren noch anschauen. Wer weiß, ob man die Daten auf
CDs und Disketten da noch lesen kann."
Das Licht muss passen
Auf der Suche nach Motiven sind sie immer. Manche verstauen die Kamera
sogar im Auto. Jederzeit griffbereit. So wie Josef Aigner. Sogar seinen
Nachmittagsspaziergang macht er nicht ohne seine Digitalkamera. Dabei
drückt er allerdings nicht einfach so ab. "Licht und Tageszeit müssen
schon passen", sagt Aigner. Da kann es schon mal vorkommen, dass er einige
Male an dieselbe Stelle fahren muss, bis sein geübtes Auge zufrieden ist.
Besonders beliebt als Motive: Architektur und Landschaften, einer hat sich
auf Vögel spezialisiert. Die gelungensten Ergebnisse präsentieren die
Fotografen dann beim Stammtisch. Dafür ist ihnen auch kein Aufwand zu
groß. Wenn Alfred Kröhn seine alten Dias vorzeigt, nimmt er den Projektor
einfach mit. Es herrscht ein lockerer Umgangston am Stammtisch. Die
Fotografen nehmen ihr Hobby zwar ernst, aber nicht verbissen. Auch einen
Verein wollten sie nicht gründen. "Wir wollten uns die ganzen Formalitäten
ersparen", sagt Reinhard Krause. Zwar hat es in Vilsbiburg einst einen
eingetragenen Fotografen-Verein gegeben, der sich aber aufgelöst hat.
Mitte der 80er Jahre gründete Max Englert den zwanglosen Stammtisch, der
bis heute noch existiert. Elf Mitglieder zählt der Stammtisch derzeit,
jedes Neumitglied ist willkommen.
Keiner der Fotografen hat eine professionelle Ausbildung. Ihr Wissen holen
sie sich aus Fachzeitschriften oder in der Praxis. Immerhin verfolgen sie
ihr Hobby bereits seit Jahren. Josef Aigner hält beispielsweise seit 1965
den Vilsbiburger Faschingsumzug in Bildern fest. Einziges Problem: "Man
ist nie selbst zu sehen, weil man immer hinter der Kamera steht." Dieses
Jahr hat er es aber geschafft: Als Mecki ist er auf mehreren Bildern zu
sehen.
Filme selbst entwickeln
Besondere Aufmerksamkeit erregen beispielsweise alte Kameras. Neuestes
Objekt: ein Vorkriegsmodell, entdeckt von der Gastgeberin, Heidi
Pichlmeier. Die Profis wissen natürlich sofort, wie man den so genannten
Radfilm einlegt. Auch die Funktionsweise der Kamera können sie genau
erklären. Alfred Kröhn könnte sogar einen Film selbst entwickeln: "Ein
Schwarz-Weiß-Film ist kein Problem." Das hat er bei der Bundeswehr
gelernt.
Regelmäßig präsentieren die Hobbyfotografen ihre Werke auch der
Öffentlichkeit. Bei Ausstellungen in den Vilsbiburger Banken zeigen die
Hobbykünstler auch außerhalb des Stammtisches ihr Können. Zwei Mitglieder,
Johann Jungbauer und Franz Mooser, haben sogar schon einen Kalender
veröffentlicht. Die Faszination für Fotografie wird die
Stammtischmitglieder wohl auch in Zukunft nicht loslassen, schließlich
bieten die Natur und das gesellschaftliche Leben unzählige und immer
wieder neue Gelegenheiten. Die Kunst dabei ist, den richtigen Moment
einzufangen, die richtige Perspektive zu wählen. Josef Aigner:
"Fotografieren kann jeder. Das Motiv zu sehen ist die Kunst." Karin
Mühlberger
s Die Fotografen treffen sich jeden zweiten Dienstag im Monat in Heidi's
Cafe zum Stammtisch. Neumitglieder sind jederzeit willkommen.
(Karin Mühlberger)
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