Von der Kunst das Motiv zu sehen

Stammtisch-Mitglieder tauschen Gedanken aus und begutachten ihre eigenen Werke
Hobbyfotografen treffen sich regelmäßig

   

25 Jahre Fotostammtisch Vilsbiburg - Ausstellung 2009

Ausstellung 2008: "Menschen in Vilsbiburg"
Ausstellung 2006: "Eine Sekunde Belichtungszeit"
Ausstellung 2004: "Bilder einer Stadt"

Vilsbiburg. Auf Digitalkameras wird Alfred Kröhn wohl nicht mehr umsteigen. "Ich bin ein Nostalgiker", sagt er. Ein paar Mitstreiter hat er noch. Andere Hobbyfotografen drücken dagegen schon digital auf den Auslöser. Einmal im Monat treffen sich die kameraverrückten Fotografen zum Fachsimpeln und gegenseitigen Gedankenaustausch. Es ist eine reine Männerrunde, die sich jeden zweiten Dienstag im Monat in Heidi's Cafe am Stammtisch trifft. Eines haben sie gemeinsam: ihr Interesse für Fotografie und alles, was damit zu tun hat. Kisten- und tütenweise bringen die Hobbyfotografen Anschauungsmaterial mit. Und lassen somit ein Stückchen Vergangenheit aufleben. Vom Schlauchboot-Trip in einem amerikanischen Canyon über die Altstadt Landshuts in den 60er Jahren - die Bilder sind Zeitzeugen. Auch deshalb hängt Alfred Kröhn so sehr an seiner analogen Kamera: "Großmutters Bilder kann man auch in 100 Jahren noch anschauen. Wer weiß, ob man die Daten auf CDs und Disketten da noch lesen kann."
Das Licht muss passen
Auf der Suche nach Motiven sind sie immer. Manche verstauen die Kamera sogar im Auto. Jederzeit griffbereit. So wie Josef Aigner. Sogar seinen Nachmittagsspaziergang macht er nicht ohne seine Digitalkamera. Dabei drückt er allerdings nicht einfach so ab. "Licht und Tageszeit müssen schon passen", sagt Aigner. Da kann es schon mal vorkommen, dass er einige Male an dieselbe Stelle fahren muss, bis sein geübtes Auge zufrieden ist. Besonders beliebt als Motive: Architektur und Landschaften, einer hat sich auf Vögel spezialisiert. Die gelungensten Ergebnisse präsentieren die Fotografen dann beim Stammtisch. Dafür ist ihnen auch kein Aufwand zu groß. Wenn Alfred Kröhn seine alten Dias vorzeigt, nimmt er den Projektor einfach mit. Es herrscht ein lockerer Umgangston am Stammtisch. Die Fotografen nehmen ihr Hobby zwar ernst, aber nicht verbissen. Auch einen Verein wollten sie nicht gründen. "Wir wollten uns die ganzen Formalitäten ersparen", sagt Reinhard Krause. Zwar hat es in Vilsbiburg einst einen eingetragenen Fotografen-Verein gegeben, der sich aber aufgelöst hat. Mitte der 80er Jahre gründete Max Englert den zwanglosen Stammtisch, der bis heute noch existiert. Elf Mitglieder zählt der Stammtisch derzeit, jedes Neumitglied ist willkommen.
Keiner der Fotografen hat eine professionelle Ausbildung. Ihr Wissen holen sie sich aus Fachzeitschriften oder in der Praxis. Immerhin verfolgen sie ihr Hobby bereits seit Jahren. Josef Aigner hält beispielsweise seit 1965 den Vilsbiburger Faschingsumzug in Bildern fest. Einziges Problem: "Man ist nie selbst zu sehen, weil man immer hinter der Kamera steht." Dieses Jahr hat er es aber geschafft: Als Mecki ist er auf mehreren Bildern zu sehen.
Filme selbst entwickeln
Besondere Aufmerksamkeit erregen beispielsweise alte Kameras. Neuestes Objekt: ein Vorkriegsmodell, entdeckt von der Gastgeberin, Heidi Pichlmeier. Die Profis wissen natürlich sofort, wie man den so genannten Radfilm einlegt. Auch die Funktionsweise der Kamera können sie genau erklären. Alfred Kröhn könnte sogar einen Film selbst entwickeln: "Ein Schwarz-Weiß-Film ist kein Problem." Das hat er bei der Bundeswehr gelernt.
Regelmäßig präsentieren die Hobbyfotografen ihre Werke auch der Öffentlichkeit. Bei Ausstellungen in den Vilsbiburger Banken zeigen die Hobbykünstler auch außerhalb des Stammtisches ihr Können. Zwei Mitglieder, Johann Jungbauer und Franz Mooser, haben sogar schon einen Kalender veröffentlicht. Die Faszination für Fotografie wird die Stammtischmitglieder wohl auch in Zukunft nicht loslassen, schließlich bieten die Natur und das gesellschaftliche Leben unzählige und immer wieder neue Gelegenheiten. Die Kunst dabei ist, den richtigen Moment einzufangen, die richtige Perspektive zu wählen. Josef Aigner: "Fotografieren kann jeder. Das Motiv zu sehen ist die Kunst." Karin Mühlberger
s Die Fotografen treffen sich jeden zweiten Dienstag im Monat in Heidi's Cafe zum Stammtisch. Neumitglieder sind jederzeit willkommen.    (Karin Mühlberger)

Text und Foto:   Vilsbiburger Zeitung: 12. April 2007
  

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