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Eröffnung des Heimatmuseums Vilsbiburg am 20.04.2002

   Grußwort von Dr. Albrecht A. Gribl

   
Vilsbiburg, Stadt im Kreis Landshut, Bayern, 450 m ü. M., an der Großen Vils, (1993) 10.600 Einwohner; Heimatmuseum (v. a. Hafnerware); Kfz-Zulieferindustrie, Textil-, metallverarbeitende Industrie..."
  
Kein geringerer als der neueste Große Brockhaus mit seinen 24 Bänden stellt bei seiner Charakterisierung der Vilsstadt das Heimatmuseum und seine Hafnerware ganz an den Anfang – noch vor die wirtschaftlichen Grundlagen der Stadt und den kurzen Abriß ihrer Geschichte! Das will etwas heißen!
  
Diese Plazierung und Einschätzung bedeutet zweifellos, daß zum Erscheinungszeitpunkt des entsprechenden Brockhausbandes, im Jahre 1994, das Museum das Bild der Stadt nach außen prägte, mehr

noch als Industrie und Gewerbe. Das Museum also als integrierenderFaktor, als identitätsstiftender Pfeiler im kommunalen Gebäude?
  
Gewiß: Das war nicht immer so in der gut 90jährigen Geschichte des Heimatmuseums Vilsbiburg. 16 Jahre nach seiner Begründung, also 1926, machte der damalige Generalkonservator des Landesamts für Denkmalpflege, Dr. Hager, dem Museum seine Aufwartung und kam zu dem verhaltenen Urteil: "Das Museum macht im ganzen einen guten Eindruck". Wiederum 9 Jahre später verlautbarte von derselben Münchner Beratungsstelle: "Das Museum verfügt über gute Bestände, namentlich aus dem Gebiete des heimischen Handwerks, der Volkskunst im allgemeinen und der gesamten örtlichen Volkskultur."
  

Innerhalb dieser kurzen Aufzählung schließlich kommt das sog. "Minerva-Handbuch" von 1939 bezüglich der damaligen 65 qm Gesamtfläche in vier Räumen zu dem Resume´, daß die hervorragenden Gruppen der Sammlung zum einen die Bauernmöbel, zum anderen die "Kröninger Hafnerei in einem eigenen Raum" seien.
Was letzteres betrifft, ist es heute wieder so: Ja dieser Raum umfaßt ein ganzes Geschoß und bildet - neben dem imposanten Sakralraum der wieder hergerichteten Spitalkirche – den absoluten Schwer- und Höhepunkt des neu gestalteten Museums.
Dazwischen aber - zwischen den 30er Jahren und dem heutigen Tag - liegen nicht nur über 60 Jahr und damit gerade mal ein Menschenleben, sondern geradezu museale "Welten", die gekennzeichnet sind von fünf Bestimmungsmerkmalen, und deren


Dr. Albrecht A. Gribl

Summe weniger als "glückliche Umstände" denn als "erarbeitete Leistungen" zu bezeichnen sind:

Gekennzeichnet
1. vom Schwung einer neuen Heimatvereins- und Museumsgeneration seit den späteren 60er Jahren,
2. von beispielhaftem, ehrenamtlichem Engagement des Heimatvereins und insbesondere der Museumsmannschaft,
3. von einer systematischen, äußerst erfolgreichen Sammel- und Forschungstätigkeit,
4. von einer breiten Museumszusammenarbeit mit dem "Nachbarn" Dingolfing, zum Teil auch mit Landau unter der weithin bekannten Bezeichnung "Museumsverbund Dingolfing-Landau-Vilsbiburg",
5. und schließlich von der Bereitschaft der Stadt Vilsbiburg, über alle damit verbundenen Aktivitäten hinaus dem Museum zum zeitgemäßen Durchbruch dadurch zu verhelfen, daß es für die heute sozusagen in Betrieb gehenden Erweiterungsmöglichkeiten sorgte und nach Sanierung die völlige Neugestaltung weitgehend finanzierte.
 
Lassen Sie mich, obwohl alle fünf genannten Faktoren eine eingehende Würdigung verdienten, wenigstens kurz die Verdienste des Heimatvereins und seiner Aktiven sowie innerhalb dieser Gruppe jene des Museumsleiters einordnen. Museumsleiter Lambert Grasmann beschrieb 1989 im Zusammenhang mit der Museumsarbeit in Vilsbiburg u. a. die Tätigkeit der Arbeitsgruppe folgendermaßen:

"Seither (seit den Neuwahlen im Frühjahr 1973) halten die Mitarbeiter jeden Dienstag einen wöchentlichen Arbeitsabend ab, bei dem die

Bücherei, das Archiv und die inzwischen über 20 Leitzordner umfassende Häuserchronik und das Fotoarchiv betreut, eingegangene Exponate gereinigt und soweit möglich restauriert werden und die Inventarisierung vorgenommen wird".
   
Die außergewöhnliche Initiative und Arbeitsleistung der Vilsbiburger Gruppe um Lambert Grasmann hat meines Wissens in Bayern nur ein Gegenstück, nämlich den "Arbeitskreis des Museumsvereins Dachau". Dieser hatte sich ebenfalls im Jahre 1973 zusammengefunden, vereinigte etwa 25 "Idealisten" - wie sich deren Leiter ausdrückte -, und diese arbeiteten ebenfalls jeweils am Dienstagabend im großräumigen Depot an Inventarisation, Fotoerfassung und Reinigung der Bestände, an Sonderausstellungen, Spendenaktionen usw., insgesamt an der ersehnten Neueröffnung sowohl einer Gemäldegalerie als auch eines landkreisbezogenen Heimatmuseums, was beides 1986 bzw. 1987 erfolgte.
 
Ähnlich wie dort wurden hier in Vilsbiburg tausende Stunden an Freizeit geopfert, sonst wäre das heutige in bestem Wortsinn "freudige Ereignis" nicht möglich geworden. Man könnte in Zeiten betriebswirtschaftlicher Beurteilungsmaßstäbe auch von "Wertschöpfung" sprechen, die gewiß errechenbar wäre und


Lambert Grasmann und
Bürgermeister Helmut Haider

wenigstens bei einem Geldwert in Höhe von l Mio. DM läge! Das alles ohne großes Aufsehen, von der Öffentlichkeit weitestgehend unbemerkt, "ohne Sentimentalität oder Nostalgie", wie Museumsleiter Grasmann bescheiden schreibt, indessen - so füge ich hinzu - mit Beharrlichkeit und der Überzeugung, einen sichtbaren Beitrag zum Erhalt historischer heimatlicher Kulturgüter geleistet zu haben, um nicht zuletzt Ihrem Museum und Ihrer Stadt Vilsbiburg zu jener Ehre zu verhelfen, die sich in der Brockhaus- Hervorhebung widerspiegelt.
  
Zweifellos: Das über 90jährige Heimatmuseum Vilsbiburg gehört zu den traditionsreichen Häusern unter den rund 400 bayerischen Heimatmuseen, die diese Bezeichnung bewußt führen. Es könnte entsprechend den Schwerpunkten seiner Sammlung auch als "städtisches Museum" Geltung beanspruchen, denn diese liegen in den Bereichen bürgerliches Handwerk und Gewerbe. Im Blick auf den wertvollen, bayemweit größten Bestand an Kröninger Hafnerware und deren minutiöse Erforschung kommt dem Vilsbiburger Heimatmuseum überregionale Bedeutung zu.
  
Größten Anteil an dieser heutigen Geltung des Heimatmuseums hat sein langjähriger Leiter Lambert Grasmann. Er bekleidet dieses Ehrenamt schon seit 1968 kommissarisch, seit 1973 offiziell. Er gilt als


Peter Barteit

ausgewiesener Kröning- Forscher - die meisten der zahlreichen Aufsätze und Bücher zu diesem Thema stammen von ihm. Er hat nicht nur die Sammlung zum Kröning einschließlich Schriftgut und Bildmaterial entscheidend vermehrt, sondern auch das Wissen über den Kröning und seine Hafner. Lambert Grasmann hat sich wie kaum ein ehrenamtlich tätiger Museumsleiter um sein Heimatmuseum und seine Heimatstadt verdient gemacht. Dies kommt auch in zahlreichen Ehrungen zum Ausdruck.

Ich komme zum Schluß:

Das Heimatmuseum Vilsbiburg stellt nach Beurteilung der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen, die ich heute vertreten darf, nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Sonderaktivitäten einen festen Bestandteil im Kulturleben der Stadt und Region dar. In der niederbayerischen Museumslandschaft gehört es zu den beispielhaft betriebenen, umsichtig geleiteten Häusern mit qualifizierten Sammlungsbeständen. Wir freuen uns mit Ihnen, sehr geehrter Herr Grasmann, Herr Barteit als Heimatvereinsvorsitzender und Ihnen, Herr Bürgermeister Haider, daß das gut 90jährige Museum nie ein seniler Greis war, sondern mit dem heutigen Tag geradezu wie ein neu ausstaffierter Jüngling daherkommt, freundlich, auskunftsbereit, einladend. - Ihm wünschen die Landesstelle und ich persönlich viele gute Begegnungen mit interessierten Besuchern und ein langes, niemals langweiliges Leben!

Text:  Dr. Albrecht A. Gribl                                                       Fotos von der Eröffnungsfeier am  20.04.2002

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