Die Stadt Vilsbiburg und
ihr 100jähriges Heimatmuseum
Sonderausstellung vom 16. Mai 2010 bis 20. März 2011

Sonderausstellung 2010

Hohe Kompetenz aus Leidenschaft
Sonderausstellung „Die Stadt Vilsbiburg und ihr 100-jähriges Museum“ eröffnet

Von Georg Soller Vilsbiburg. Seit 100 Jahren gibt es in Vilsbiburg das Heimatmuseum. Es war die Weitsicht des damaligen Bürgermeisters Winkler und der Wunsch des Magistrats, die Zeugnisse der Vergangenheit zunächst zu sammeln und der Bürgerschaft zugänglich zu machen. Aufgrund der Vielzahl der Dokumente, die im Lauf des Jahrhunderts in den Museumsarchiven Aufnahme fanden, gelingt es den Ehrenamtlichen im Museum immer besser, in der Rückschau die Entwicklungsströme der Stadt einzuordnen und zu erklären. Dafür erhielten sie am Sonntagabend bei der Eröffnung der Sonderausstellung Lob von allen Seiten.
Wenn eine Firma oder eine Organisation ein Jubiläum feiert, wird in der Regel die monothematische Entwicklung des Jubilars erarbeitet. Bei einem Heimatmuseum gestaltet sich die Herausgabe eines Rückblicks als „Kärrnerarbeit“, jedenfalls ist dieser Begriff am Sonntag mehrfach verwendet worden. Denn im Vilsbiburger Heimatmuseum wird das Leben in der Stadt und der Region abgebildet, die Ortsgeschichte, bedeutende Gewerbezweige, die sozialen Einrichtungen und natürlich das Herzstück
der Sammlungen, die Kröninger Hafnerei.
„Aus dieser Fülle einen begrenzten Bereich für eine Sonderausstellung auszuwählen, war beileibe kein leichtes Unterfangen“, sagte Museumsleiter Grasmann. Und gewissermaßen als Beweis erlebten die Besucher der Ausstellungseröffnung, wie Wolfgang Balk bei der Vorstellung der dazugehörigen Museumschrift grandios am vorgegebenen Zeitlimit von 20 Minuten scheiterte.
 


  Sonderausstellung 2010
Wolfgang Balk

 

 

 

Sonderausstellung 2010
Adlkofener Geigenmusi

 

 

 

 

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Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Themen, die bislang noch nicht so tief erforscht wurden. „Ein besonderes Anliegen war mir eine breitere museale Darstellung der einstmals in Vilsbiburg so zahlreich vertretenen und wirklich bedeutsamen Textilbetriebe“, sagte Grasmann. Und wenn mit Ausnahme der Firma Zollner, die mit geschickter Ausrichtung den Übergang in die postindustrielle Zeit geschafft hat, alle großen und kleinen Unternehmen von Seiler über Hudson und Rank bis zu Siegelin und Alpentraum erloschen sind, dann sieht man daran auch, wie wichtig die Arbeit der Heimatforscher eigentlich ist: Nachdem der museale Bestand in diesem Bereich noch gering war, sei aufgrund der Nachforschungen das zur Verfügung stehende Material förmlich „explodiert“, wie der Museumsleiter sagte.
Gewissermaßen als Spezialbeitrag zu dem heute zu gründenden Kulturverein könnte man den Beitrag von Cornelia Renner über das Liebfrauenfestspiel (1922 bis 1932) sehen, auch wenn dies nicht so beabsichtigt war. Nicht nur alle zehn Jahre wie in Oberammergau, sondern jedes Jahr führten Bürger im Urbansaal (den späteren Urban-Lichtspielen) dieses Spiel über „das Leben der Jungfrau Maria“ auf. Zu sehen sind Requisiten, welche die Spinnstoff- und Metallsammlungen des Dritten Reichs überdauert haben,
Textbücher, Programmzettel und Festspielpostkarten.
Mit der Überlegung, die Eröffnung der Sonderausstellung „Stadt Vilsbiburg und ihr 100-jähriges Heimatmuseum“ auf den 33. internationalen Museumstag zu legen, schufen die Verantwortlichen im Heimatverein eine gewisse Terminenge bei einem Teil ihres Stammpublikums. Aber ohne die Einladung nach Vilsbiburg hätte er diesen „Tag“ gar nicht wahrgenommen, sagte Staatsminister a. D. Erwin Huber, als er kurz die Inflation der speziellen „Tage“ ansprach. In seinem Grußwort würdigte er im Speziellen die Arbeit von Lambert Grasmann, der seit 37 Jahren als ehrenamtlicher Museumsleiter arbeitet. Er habe als Liebhaber begonnen, sagte Huber, und sich durch Leidenschaft eine hohe Kompetenz erworben: „Wer sich ernsthaft mit den Kröninger Hafnern auseinandersetzen möchte, kommt an seinen Veröffentlichungen gar nicht vorbei.“ Dafür würde er ihm am liebsten den Professor ehrenhalber – ohne Pensionsanspruch – verleihen, sagte Huber zum Vergnügen des Publikums.
 

Sonderausstellung 2010

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Hohe kulturelle Leistung
Ohnehin sei die kulturelle Leistung des Vilsbiburger Heimatmuseums nicht hoch genug einzuschätzen, so der Abgeordnete, denn die kleine Gemeinde Kröning wäre wohl nicht in der Lage, dieses Handwerk, das zu seiner Blütezeit halb Mitteleuropa beliefert habe, museal aufzuarbeiten. Zuvor hatte Grasmann aber bedauert, dass die ganz besonderen Stücke allerdings in den Archiven der Münchner Museen gelagert seien.
Landrat Josef Eppeneder wies darauf hin, dass die Sammlungen und Forschungen des Heimatvereins Menschen aller Generationen vor Augen führen, „dass alles, was wir heute vorfinden, Ergebnis langer Entwicklungen ist.“ Dabei sucht der Heimatverein nicht die ‘gute alte Zeit’, denn die habe es nie gegeben: „Es waren harte, oft entbehrungsreiche Zeiten.“ Der Landrat wünschte dem „erfolgreichen, verdienten Verein und seinem Kleinod, dem Heimatmuseum“ weitere erfolgreiche Jahre, „und vor allem stets so engagierte Menschen an der Spitze wie heute“.
Auch Bürgermeister Helmut Haider zeigte sich stolz über die große Anerkennung, die das Heimatmuseum erfährt. Er selbst sei schon als Zehnjähriger von Frontenhausen in die damalige Kreisstadt Vilsbiburg geradelt, um die Ausstellung zu besuchen, erzählte er. Es scheint, als habe sich die Investition in das Museum, deren erheblich steigende Tendenz bei den Umbauten (Eröffnung 1995) dem Stadtrat arge Kopfzerbrechen bereitet hat, im übertragenen Sinne rentiert.
Auch über die eigentlichen Ursprünge des Museums war am Sonntagabend die Rede, aber davon wird die Vilsbiburger Zeitung im Lauf des Jubiläumsjahres noch mehrfach berichten – spätestens am 20. November, wenn genau am Tag der Gründung ein Festakt in der Grundschulaula stattfindet. Eine geradezu heitere Note brachte die Adlkofener Geigenmusik in die Ausstellungseröffnung ein, die mit Polka und Zwiefachen aufzeigte, dass man sich in der Musik verstärkt wieder auf regionale Werte besinnt.

Sonderausstellung 2010

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Text und Fotos von der Eröffnung:   Georg Soller            Fotos von der Ausstellung:    WG

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