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Neben dem
Vilsbiburger Stadttor befindet sich, in die alte Stadtmauer integriert,
die Spitalkirche mit dem Patrozinium der heiligen Katharina und dem Titel
der Heiligen Dreifaltigkeit. Gleich nebenan war das Heilig-Geist-Spital,
ein Teil des heutigen Heimat- und Stadtmuseums. Nach Abschluss der
Bauarbeiten vor ca. 530 Jahren, lässt der Stifter Pfarrer Caspar
Westendorfer ein Dreifaltigkeitsgemälde zur Darstellung des Heiligen
Geistes, dem Namengeber des Spitales, und darunter ein Steinrelief
anbringen.
Im Gefolge spätmittelalterlicher Bildtradition, die
theologische Struktur des Bildkonzeptes ist die Gestalt der Trinität zu
betonen: Gottvater präsentiert seinen, der Menschheit geopferten Sohn, in
der Art des volkskundlichen Gnadenstuhles. In einem
Gegenüberstellungskonzept: Christus als Ecclesiae, Elisabeth von Thüringen
und Antonius der Eremit.
Zeugnisse des
Glaubens
Im Mittelalter galt die Wandmalerei, die bemalten
Glasfenster und die figürliche Ausstattung der Kirchen nicht nur dem
Schmuck zur Ehre Gottes und zur Förderung der Andacht, sondern war
hauptsächlich dazu gedacht gewesen, den Men-schen, die weder lesen noch
schreiben konnten, die biblische Botschaft nahe zu bringen. Schon der
Buchstabe des Namens Jesu wurde jetzt verehrt, schon der Anblick der
Hostie gab Heil. Die tiefste Liebe und Verehrung gehört dem leidenden
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tus, der zerschlagen und gekreuzigt ist. Überall tauchen
jetzt die Darstellungen des Schmerzenmannes auf, die Erbärmdebilder, die
Darstellungen der Leidenswerkzeuge, des mit Wunden bedeckten Gekreuzigten.
Oft waren die Symbole, die Heilige Dreifaltigkeit darstellend, sehr
einfache einprägsame Zeichen: Der Pfeil ist die altgermanische Rune, für
den die Trinität bezeichnenden Buchstaben „T“. Das älteste Zeichen der
Trinität im Mittelalter war das „Y“. Das griechische „T“, das „Tau“, ist
oft und geschickt in den Gewändern der Heiligen verborgen, die
Kirchenväter bezeichnen es als Erlösungszeichen und die Bischöfe setzen es
darum noch heutzutage vor ihre Namensunterschrift. Einfachste Sinnbilder
sind die Zahl Drei, das Dreieck oder der Buchstabe Delta; für den Künstler
immer schwerwiegend, ob er die Dreiheit oder die Einheit anschaulich
machen soll. Dreifaltigkeit und Trinität sind das christliche
Grundgeheimnis von der einen Natur und den drei Personen (Vater, Sohn und
Heiliger Geist) in Gott. Dem Vater wird die Schöpfung, dem Sohn die
Erlösung, dem Hl. Geist die Heiligung zugesprochen. In frühchristlicher
Zeit wird die Dreifaltigkeit nur in Sinnbildern (Hand Gottes, Lamm =
Christus, Taube = Hl. Geist) und durch die Dreigestalt in Tier- und
Pflanzensymbolik dargestellt. Später kommen dazu das dreifache Kreissymbol
(Dreipass) und seit dem Mittelalter das Dreieck. Vom Mittelalter an bis
hinein in die Barockzeit begegnen uns auch immer wieder Darstellungen der
Dreifaltigkeit in Gestalt von drei Männern, also auch der Heilige Geist
als Person, meist als bartloser Jüngling.
Kirchliche Darstellungen und Frömmigkeit im altbayerischen Raum lassen
sich am besten an der Volksfrömmigkeit aufzeigen. Sie ist nicht
vergeisterte Glaubenshaltung, die nach Äußerung in der Gesellschaft
drängt. Der körperlich hart arbeitende Mensch ist von seinem erfahrbaren
Lebensbereich her dem Abstrakten abgeneigt. Er will Geistiges
versinnbildlicht, das Abstrakte ins Konkrete übersetzt, das Numinose
vergegenständlicht, die Glaubenswahrheit in anschaulichen Exempeln fassbar
sehen. Die Heilserwartung des Volkes ist stark von persönlicher Sorge und
Hoffnung bestimmt. So war es in Bayern bis tief in das 19. Jahrhundert
hinein.
Nun galt es für Pfarrer Westendorfer, den Namengeber des Spitales in Szene
zu setzten. Die Taube als Symbol des Heiligen Geistes wird und wurde in
der christlichen Kunst und in der Auffassung vieler Christen fast
ausschließlich verwendet. Künstler, Bildhauer und Baumeister haben vom
romanischen Kirchenbau bis weit in die Renaissance hinein bei jeder
Gelegenheit die Dreizahl angebracht, um darin ihren Glauben an den
Dreieinigen Gott zu bekennen. An Trinitätszeichen entdecken wir immer
wieder drei Falten, das gleichseitige Dreieck mit Nimbus, drei ineinander
verschlungene Ringe oder Schlangen, ein dreieckiges Tischchen, den
dreifarbigen Amethyst, Pflanzen mit drei Blättern und besonders die
Darstellung im Gnadenstuhl. Gott Vater steht bei dem Wandgemälde hinter
dem gekreuzigten Jesus, den rechten Arm und die Hand zum Schwur erhoben,
die linke Hand hält einen vergoldeten Kreuzstab. Über den Kopf von
Gottvater der Heilige Geist in der Symbolik einer Taube.
Bezieht sich die obere, in einem blinden Spitzbogen gefertigte Wandmalerei
auf die heilige Dreifaltigkeit, aber insbesondere auf den Namengeber für
das Spital, dem Heiligen Geist, so ist im unteren 70 x 100 cm großen
Querrechteck-Steinrelief die Symbolik der Kirche und die „leibliche
Barmherzigkeit“ darstellend.
Schon beim Kreuz ist die Symbolik der Trinität ersichtlich. Das
verlängerte obere Mittelstück fehlt, auch die Inschrift. Diese Art von
Kreuz wird Antoniuskreuz, ägyptisches Kreuz oder „Tau“-kreuz, (T) genannt,
der letzte Buchstabe des hebräischen Alphabets. Mit den nunmehr drei Enden
weist das Kreuz auf die Symbolik der Dreifaltigkeit hin. Die Fesseln des
Gekreuzigten sind durchschnitten.
Die Thematik des aus den
Wunden, speziell aus der Seitenwunde Christi strömendes Blutes erscheint
in zahlreichen Bildtypen, mit Bezug auf die Eucharistie. Der von einer
Lanze geöffnete Brustkorb öffnet das Herz Jesu (Joh. 19,34). In der
orthodoxen Liturgie ist es üblich, mit einer Lanze das eucharistische Brot
zu segnen, zu öffnen oder zu teilen. Das aus dem Herzen fließende Blut
symbolisiert die sühnende und erlösende Kraft, das in den Kelch fließt,
der von einem Engel oder der personifizierenden Kirche (ecclesia) gehalten
wird. Das fließende Blut aus der Wunde gibt den Hinweis auf das erlösende
Blutopfer Christi.
In der ersten
Hälfte des 9. Jahrhunderts tritt als ikonographische Erneuerung über die
Kreuzigung und den Tod die Gestalt der Ekklesia (= symbolbeladene
Bezeichnung für den Sakralbau) zur Kreuzigungsszene hinzu. Sie fängt mit
einem Kelch das aus der Seitenwunde strömende Blut Christi auf und weist
damit auf den sakramentalen Sinn dieses Blutes in der Eucharistie hin.
Die Darstellung der heiligen Elisabeth von Thüringen im Terziarenkleid,
Almosen spendend, steht für die Patronin der Caritas und Hospitalität. Aus
ihrem Glauben heraus versuchte sie, ganz konkret die Gottes- und
Nächstenliebe umzusetzen, die sie als Landgräfin im Kampf gegen Armut, Not
und Krankheit ihrem Volk vorlebte. Die letzten drei Jahre ihres Lebens
stellte sie ganz in den Dienst für die Armen und Kranken. In Marburg
richtete man aus ihrem Witwengut ein Hospital ein. Elisabeth von Thüringen
starb am 17. November 1231. Unmittelbar nach ihrem Tod setzte bereits eine
Verehrung ein, die in der Heiligsprechung durch Papst Gregor IX. am
Pfingstsonntag den 27. Mai 1235 in Perugia gipfelte. In der im gleichen
Jahr neu erbauten Elisabethkirche in Marburg wurden ihre Gebeine in das
Mausoleum im „Elisabeth-Chor“ überführt.
Auf der rechten Seite wird der Einsiedler Antonius dargestellt. Zu
erkennen ist er immer an einem Stab oder Patriarchenkreuz, einem Buch und
einem Schwein zu seinen Füßen, welches ein Glöcklein um den Hals trägt.
Die „Tönnisschweine“ hatten das Recht auf freie Weide und vernichteten als
Allesfresser in den Dörfern den Abfall. Diese Art der Darstellung verlieh
Antonius dem Einsiedler, der zugleich als Haus-, Vieh- und insbesondere
als Schweinepatron gilt, die volkstümliche Bezeichnung „Fackentoni“ oder „Sautoni“.
Der Eremit Antonius, auch Antonius der Große genannt, war der Patron der
Antoniusbruderschaften. Diese Laienbruderschaft wurde um 1095 in
Südfrankreich gegründet. Ihre Aufgabe war die Krankenpflege. Schon bald
unterhielten die Antoniter Spitäler in ganz Europa. Wegen ihrer besonderen
medizinischen Kenntnisse waren sie hoch angesehen. Der Antoniterorden
widmete sich der Verehrung des Heiligen, der Fürsorge Mittelloser und der
Pflege der Kranken – besonders den am „Antoniusfeuer“ Erkrankten, denen
die Gliedmaße unter rasenden Schmerzen verdorrten. Die Ursache dieser
Erkrankung wurde erst im 17. Jahrhundert gefunden, es war der Roggen, der
mit Mutterkorn-Pilzen verseucht gewesen war. Bald nach seinem Tod erhielt
Antonius den Beinamen „der Große“. Die Hochzeit der Antonius-Verehrung war
das 14. bis zum 18. Jahrhundert, wo Reliquien des Mönchsvaters ins
Abendland gelangten. Albert von Bayern gründete 1382 den
Antonius-Ritter-Orden, worauf Antonius zum Patron des Ritterstandes wurde.
Seit 1491 befindet sich die Reliquie von Antonius, des wohl berühmtesten
Einsiedlers in der Pfarrkirche Sankt Julien in der provenzalischen Stadt
Arles. In der Regel ist Antonius in Einsiedlerbekleidung gehüllt, hier
jedoch ist er in Patriarchenkleidung dargestellt, in welcher er auch
begraben wurde.
Die in Stein modellierten Relieffiguren, Elisabeth und Antonius
symbolisieren als die von der Kirche geforderten Werke der „Leiblichen
Barmherzigkeit“: Hungernde zu speisen, Dürstende zu tränken, Kranke zu
pflegen.
Um seine Identität zu verewigen, hinterlässt der
Spitalstifter, Pfarrer von Sankt Jodok und Rat des Herzogs von Landshut „Maister“
Caspar Westendorfer im linken unteren Eck das „Westendorferwappen“, einen
schwarzen erhabenen Ring auf Gold. Wie Westendorfer im Stiftungsbrief
schreibt, möchte er nach seinem Tod durch diese Spitalstiftung die
„verheißende Barmherzigkeit Gottes erlangen“ und zugleich seinen
Geburtsort Vilsbiburg durch Wohltätigkeit ehren.
Text und Foto:
Peter Käser,
Zenelliring 43/Binabiburg, 84155 Bodenkirchen; 08741 6999;
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