Dreifaltigkeitsdarstellung
am ehemaligen Spitalgebäude, heute Heimatmuseum

Zeichen der Barmherzigkeit  Bildhaftes Zeugnis des Glaubens

 „Die elenden sollst du beherbergen – die hungernden sollst du speisen“, dies sind zwei Zitate aus den Werken der Barmherzigkeit. Pfarrer Caspar Westendorfer hat die Worte in Taten umgesetzt. Ein Jahr nach der Landshuter Fürstenhochzeit hat der in Vilsbiburg geborene, am Nikolaustag 1476 ein Spital innerhalb der Vilsbiburger Stadtmauern gestiftet. Den Stifterzweck erfüllte das Spital bis zum Jahr 1957.[1] Es vereinigte in einem Gebäude: Armen- und Krankenpflege; Versorgung von Durchreisenden, Bettlern und Pilgern. Zur ewigen Erinnerung an seine barmherzige Stiftung hat er auf der, dem Stadtplatz zugewandten Seite, ein der Heiligen Dreifaltigkeit gewidmetes Gemälde, dann ein Steinrelief mit dem Stifterzweck und darauf das Stifterwappen hinterlassen. Die Ausführung und Umsetzung solcher Merkmale geschieht oft in Form des plastischen Schmuckes – besonders um die Mitte des 15. Jahrhunders

Neben dem Vilsbiburger Stadttor befindet sich, in die alte Stadtmauer integriert, die Spitalkirche mit dem Patrozinium der heiligen Katharina und dem Titel der Heiligen Dreifaltigkeit. Gleich nebenan war das Heilig-Geist-Spital, ein Teil des heutigen Heimat- und Stadtmuseums. Nach Abschluss der Bauarbeiten vor ca. 530 Jahren, lässt der Stifter Pfarrer Caspar Westendorfer ein Dreifaltigkeitsgemälde zur Darstellung des Heiligen Geistes, dem Namengeber des Spitales, und darunter ein Steinrelief anbringen. Im Gefolge spätmittelalterlicher Bildtradition, die theologische Struktur des Bildkonzeptes ist die Gestalt der Trinität zu betonen: Gottvater präsentiert seinen, der Menschheit geopferten Sohn, in der Art des volkskundlichen Gnadenstuhles. In einem Gegenüberstellungskonzept: Christus als Ecclesiae, Elisabeth von Thüringen und Antonius der Eremit.

Zeugnisse des Glaubens
Im Mittelalter galt die Wandmalerei, die bemalten Glasfenster und die figürliche Ausstattung der Kirchen nicht nur dem Schmuck zur Ehre Gottes und zur Förderung der Andacht, sondern war hauptsächlich dazu gedacht gewesen, den Men-schen, die weder lesen noch schreiben konnten, die biblische Botschaft nahe zu bringen. Schon der Buchstabe des Namens Jesu wurde jetzt verehrt, schon der Anblick der Hostie gab Heil. Die tiefste Liebe und Verehrung gehört dem leidenden Chris-

Spitalrelief

tus, der zerschlagen und gekreuzigt ist. Überall tauchen jetzt die Darstellungen des Schmerzenmannes auf, die Erbärmdebilder, die Darstellungen der Leidenswerkzeuge, des mit Wunden bedeckten Gekreuzigten. Oft waren die Symbole, die Heilige  Dreifaltigkeit darstellend, sehr einfache einprägsame Zeichen: Der Pfeil ist die altgermanische Rune, für den die Trinität bezeichnenden Buchstaben „T“. Das älteste Zeichen der Trinität im Mittelalter war das „Y“. Das griechische „T“, das „Tau“, ist oft und geschickt in den Gewändern der Heiligen verborgen, die Kirchenväter bezeichnen es als Erlösungszeichen und die Bischöfe setzen es darum noch heutzutage vor ihre Namensunterschrift. Einfachste Sinnbilder sind die Zahl Drei, das Dreieck oder der Buchstabe Delta; für den Künstler immer schwerwiegend, ob er die Dreiheit oder die Einheit anschaulich machen soll. Dreifaltigkeit und Trinität sind das christliche Grundgeheimnis von der einen Natur und den drei Personen (Vater, Sohn und Heiliger Geist) in Gott. Dem Vater wird die Schöpfung, dem Sohn die Erlösung, dem Hl. Geist die Heiligung zugesprochen. In frühchristlicher Zeit wird die Dreifaltigkeit nur in Sinnbildern (Hand Gottes, Lamm = Christus, Taube = Hl. Geist) und durch die Dreigestalt in Tier- und Pflanzensymbolik dargestellt. Später kommen dazu das dreifache Kreissymbol (Dreipass) und seit dem Mittelalter das Dreieck. Vom Mittelalter an bis hinein in die Barockzeit begegnen uns auch immer wieder Darstellungen der Dreifaltigkeit in Gestalt von drei Männern, also auch der Heilige Geist als Person, meist als bartloser Jüngling.
Kirchliche Darstellungen und Frömmigkeit im altbayerischen Raum lassen sich am besten an der Volksfrömmigkeit aufzeigen. Sie ist nicht vergeisterte Glaubenshaltung, die nach Äußerung in der Gesellschaft drängt. Der körperlich hart arbeitende Mensch ist von seinem erfahrbaren Lebensbereich her dem Abstrakten abgeneigt. Er will Geistiges versinnbildlicht, das Abstrakte ins Konkrete übersetzt, das Numinose vergegenständlicht, die Glaubenswahrheit in anschaulichen Exempeln fassbar sehen. Die Heilserwartung des Volkes ist stark von persönlicher Sorge und Hoffnung bestimmt. So war es in Bayern bis tief in das 19. Jahrhundert hinein.
Nun galt es für Pfarrer Westendorfer, den Namengeber des Spitales in Szene zu setzten. Die Taube als Symbol des Heiligen Geistes wird und wurde in der christlichen Kunst und in der Auffassung vieler Christen fast ausschließlich verwendet. Künstler, Bildhauer und Baumeister haben vom romanischen Kirchenbau bis weit in die Renaissance hinein bei jeder Gelegenheit die Dreizahl angebracht, um darin ihren Glauben an den Dreieinigen Gott zu bekennen. An Trinitätszeichen entdecken wir immer wieder drei Falten, das gleichseitige Dreieck mit Nimbus, drei ineinander verschlungene Ringe oder Schlangen, ein dreieckiges Tischchen, den dreifarbigen Amethyst, Pflanzen mit drei Blättern und besonders die Darstellung im Gnadenstuhl. Gott Vater steht bei dem Wandgemälde hinter dem gekreuzigten Jesus, den rechten Arm und die Hand zum Schwur erhoben, die linke Hand hält einen vergoldeten Kreuzstab. Über den Kopf von Gottvater der Heilige Geist in der Symbolik einer Taube.
Bezieht sich die obere, in einem blinden Spitzbogen gefertigte Wandmalerei auf die heilige Dreifaltigkeit, aber insbesondere auf den Namengeber für das Spital, dem Heiligen Geist, so ist im unteren 70 x 100 cm großen Querrechteck-Steinrelief die Symbolik der Kirche und die „leibliche Barmherzigkeit“ darstellend.[2] Schon beim Kreuz ist die Symbolik der Trinität ersichtlich. Das verlängerte obere Mittelstück fehlt, auch die Inschrift. Diese Art von Kreuz wird Antoniuskreuz, ägyptisches Kreuz oder „Tau“-kreuz, (T) genannt, der letzte Buchstabe des hebräischen Alphabets. Mit den nunmehr drei Enden weist das Kreuz auf die Symbolik der Dreifaltigkeit hin. Die Fesseln des Gekreuzigten sind durchschnitten. Die Thematik des aus den Wunden, speziell aus der Seitenwunde Christi strömendes Blutes erscheint in zahlreichen Bildtypen, mit Bezug auf die Eucharistie. Der von einer Lanze geöffnete Brustkorb öffnet das Herz Jesu (Joh. 19,34). In der orthodoxen Liturgie ist es üblich, mit einer Lanze das eucharistische Brot zu segnen, zu öffnen oder zu teilen. Das aus dem Herzen fließende Blut symbolisiert die sühnende und erlösende Kraft, das in den Kelch fließt, der von einem Engel oder der personifizierenden Kirche (ecclesia) gehalten wird. Das fließende Blut aus der Wunde gibt den Hinweis auf das erlösende Blutopfer Christi. In der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts tritt als ikonographische Erneuerung über die Kreuzigung und den Tod die Gestalt der Ekklesia (= symbolbeladene Bezeichnung für den Sakralbau) zur Kreuzigungsszene hinzu. Sie fängt mit einem Kelch das aus der Seitenwunde strömende Blut Christi auf und weist damit auf den sakramentalen Sinn dieses Blutes in der Eucharistie hin.
Die Darstellung der heiligen Elisabeth von Thüringen im Terziarenkleid, Almosen spendend, steht für die Patronin der Caritas und Hospitalität. Aus ihrem Glauben heraus versuchte sie, ganz konkret die Gottes- und Nächstenliebe umzusetzen, die sie als Landgräfin im Kampf gegen Armut, Not und Krankheit ihrem Volk vorlebte. Die letzten drei Jahre ihres Lebens stellte sie ganz in den Dienst für die Armen und Kranken. In Marburg richtete man aus ihrem Witwengut ein Hospital ein. Elisabeth von Thüringen starb am 17. November 1231. Unmittelbar nach ihrem Tod setzte bereits eine Verehrung ein, die in der Heiligsprechung durch Papst Gregor IX. am Pfingstsonntag den 27. Mai 1235 in Perugia gipfelte. In der im gleichen Jahr neu erbauten Elisabethkirche in Marburg wurden ihre Gebeine in das Mausoleum im „Elisabeth-Chor“ überführt.
Auf der rechten Seite wird der Einsiedler Antonius dargestellt. Zu erkennen ist er immer an einem Stab oder Patriarchenkreuz, einem Buch und einem Schwein zu seinen Füßen, welches ein Glöcklein um den Hals trägt. Die „Tönnisschweine“ hatten das Recht auf freie Weide und vernichteten als Allesfresser in den Dörfern den Abfall. Diese Art der Darstellung verlieh Antonius dem Einsiedler, der zugleich als Haus-, Vieh- und insbesondere als Schweinepatron gilt, die volkstümliche Bezeichnung „Fackentoni“ oder „Sautoni“. Der Eremit Antonius, auch Antonius der Große genannt, war der Patron der Antoniusbruderschaften. Diese Laienbruderschaft wurde um 1095 in Südfrankreich gegründet. Ihre Aufgabe war die Krankenpflege. Schon bald unterhielten die Antoniter Spitäler in ganz Europa. Wegen ihrer besonderen medizinischen Kenntnisse waren sie hoch angesehen. Der Antoniterorden widmete sich der Verehrung des Heiligen, der Fürsorge Mittelloser und der Pflege der Kranken – besonders den am „Antoniusfeuer“ Erkrankten, denen die Gliedmaße unter rasenden Schmerzen verdorrten. Die Ursache dieser Erkrankung wurde erst im 17. Jahrhundert gefunden, es war der Roggen, der mit Mutterkorn-Pilzen verseucht gewesen war. Bald nach seinem Tod erhielt Antonius den Beinamen „der Große“. Die Hochzeit der Antonius-Verehrung war das 14. bis zum 18. Jahrhundert, wo Reliquien des Mönchsvaters ins Abendland gelangten. Albert von Bayern gründete 1382 den Antonius-Ritter-Orden, worauf Antonius zum Patron des Ritterstandes wurde. Seit 1491 befindet sich die Reliquie von Antonius, des wohl berühmtesten Einsiedlers in der Pfarrkirche Sankt Julien in der provenzalischen Stadt Arles. In der Regel ist Antonius in Einsiedlerbekleidung gehüllt, hier jedoch ist er in Patriarchenkleidung dargestellt, in welcher er auch begraben wurde.
Die in Stein modellierten Relieffiguren, Elisabeth und Antonius symbolisieren als die von der Kirche geforderten Werke der „Leiblichen Barmherzigkeit“: Hungernde zu speisen, Dürstende zu tränken, Kranke zu pflegen.
Um seine Identität zu verewigen, hinterlässt der Spitalstifter, Pfarrer von Sankt Jodok und Rat des Herzogs von Landshut „Maister“ Caspar Westendorfer im linken unteren Eck das „Westendorferwappen“, einen schwarzen erhabenen Ring auf Gold. Wie Westendorfer im Stiftungsbrief schreibt, möchte er nach seinem Tod durch diese Spitalstiftung die „verheißende Barmherzigkeit Gottes erlangen“ und zugleich seinen Geburtsort Vilsbiburg durch Wohltätigkeit ehren.

                    Text und Foto:   Peter Käser, Zenelliring 43/Binabiburg, 84155 Bodenkirchen; 08741 6999;


 
Quellen

[1]
Grasmann Lambert, 500 Jahre Heilig-Geist-Spital in Vilsbiburg, in: Der Storchenturm, Heft 19, Seite 43ff.
[1] Eckardt Anton: Die Kunstdenkmäler von Niederbayern, Band V, Bezirksamt Vilsbiburg, S. 278.
    

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