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Peter Barteit
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Als Ort des Genusses hat der Sattler
Michael Daller die Situation an seiner Hauswand in der Judengasse, dem
heutigen Löchl, ganz offensichtlich nicht empfunden. Sechs Meter lang und
knapp zwei Meter breit türmte sich ein Misthaufen bis unter die Fenster
seiner Wohnung auf, weshalb es in den Räumen fürch-terlich stank. So zog
Daller im Jahr 1646 gegen seinen Nachbarn, den Bierbrauer Michael Döbl vor
Ge-richt. Dieses ordnete einen Ortstermin an, bei dem der Beklagte auf ein
seit hundert Jahres verbrieftes Recht verwies, an dieser Stelle den Dung
aus seinen Ställen zu lagern. Außerdem sei in der Gasse wegen der
Braustädel der Vilsbiburger Biersieder kein anderer Platz. Das Gericht
entschied salomonisch: Döbl solle den Mist nicht so hoch aufhäufen,
sondern öfters abfahren und ihn in der Zwischenzeit abdecken |

früher:
"Wurzer",
"Gasthaus Zum Goldenen Kreuz" |
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Dieser mehr als 360 Jahre zurück
liegende Rechtsstreit, zu dem es einen sehr anschaulich gezeichneter
Lageplan mit dem „corpus delicti“ im Mittelpunkt gibt, vermittelte am Tag
des offenen Denkmals einen von vielen spannenden Einblicken in das Leben
im alten Vilsbiburg. Fast 400 Interessierte hatten sich zu den sechs
Stadtführungen eingefunden, die von Lambert Grasmann, Peter Käser und
Peter Barteit durchgeführt wurden. Dabei war das Erstaunen groß über das
enorme gastronomische Angebot einer Stadt, die von den Landshuter Herzögen
planmäßig als Durchgangsstation auf dem Weg nach Burg-hausen gegründet
wurde. Da wurde von Ställe für die Pferde berichtet und von
Übernachtungsmög-lichkeiten für die Reisenden. Wobei die Fuhrleute, was
Hunger und Durst anbelangt, ihren Zugtieren in nichts nachstehen wollten.
Aber auch die Vilsbiburger Bürgerschaft wusste den Gerstensaft sehr wohl
zu schätzen und konnte ihre Gemütlichkeit schnell verlieren, wenn sie
nicht mit genügend Bier versorgt wurde. Das war beispielsweise im Oktober
1723 der Fall und laut Ratprotokoll gingen die Bierbrauer wegen dieses
Vergehens in Arrest. |
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früher: "Schmiedwirt"
früher "Hoferbräu" |
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16 Bierbrauer in
Vilsbiburg
Dieser Lieferengpass
verwundert ein wenig, gab doch zu dieser Zeit noch mindestens zwölf Brauer
am Ort; 100 Jahre vorher waren es gar 16 gewesen. Allerdings besaßen nur
fünf von ihnen ein eigenes Brauhaus, neun Biersieder nutzten jeweils zu
dritt einen Braustadel und weitere zwei betrieben zusammen eine „Kommunbrauerei“.
Dieses gemeinschaftliche Biersieden wurde von Herzog Wilhelm von Bayern im
Jahr 1513 eingeführt. Bis dahin hatte es nur einen Bierbrauer in
Vilsbiburg gegeben. Das war der Ver-walter in der herzoglichen Taverne im
Unteren Vormarkt, dem heutigen Gasthof Schöx. Als der Herzog auf Bitten
von Bürgermeister und Rat allen Bürgern von Vilsbiburg das Bierbrauen
erlaubte, schränkte er, wohl wegen der Brandgefahr gleichzeitig ein, dass
nur Braustädel nahe der Vils benutzt werden dürfen. |
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früher: "Weißbierbrauerei
Zach", "Forsthuberbräu", "Wurzerbräu"
"Federbräu"
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Auch sonst erfuhren
die Teilnehmer der Stadtrundgänge viele unbekannte Details über die Orte
des Genusses im alten Vilsbiburg. Dass beispielsweise im Anwesen Hammer am
Stadtplatz in den 1890er-Jahren eine Weißbierbrauerei Zach ansässig war,
verwunderte ebenso wie Existenz des Federerbräu um 1800 im Hause Mertel
oder des Winklerbräu in der heutigen Sparkasse. „Ja gab es denn früher in
Vils-biburg in jedem zweiten Haus eine Brauerei oder Gastwirtschaft?“,
fragten die Teilnehmer ganz erstaunt. Die Experten des Heimatvereins
konnten diese Frage nur bejahen. |
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früher: "Auf der Post",
"Winklerbräu",
"Stein",
"Amberger"
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Der „Blutsturz“ des
Bankiers Hardt
Geschichte und
Geschichten laufen gerade im Bereich der Gastronomie immer wieder stark
ineinander. So informierte man bei den Führungen von den Alten Bieren
ebenso wie vom winterlichen Eisen auf der Vils. Auch wurden die Anekdoten
rund um die Huber Hanna vom Bräu und eine aufschlussreiche Schilderung
der Maria Außermeier nicht verschwiegen. Letztere hatte zu Lebzeiten
erzählt, dass um 1900 in ihrem Elternhaus beim Schmiedwirt am Oberen
Vormarkt die durchreisenden Handwerksburschen nur nackt ins Bett schlüpfen
durften. Anlass für diese Maßnahme waren nicht etwa besonders lockere
Sitten in der Tafernwirtschaft, sondern die verlauste und verwanzte
Kleidung der Gäste. Und gleich neben dem Schmiedwirt befand sich das Café
Vogt (heute Konrad). Hier feierte man an Sylvester 1909 fröhlich den
Jahreswechsel. Mit dabei auch Sanitätsrat Dr. Kastl und Bankier Xaver
Hardt, dem an diesem Abend besonders der Rotwein mundete. Spät in der
Nacht läutete dessen Haushälterin bei dem Arzt und be-richtete
schreckensbleich, ihr Chef habe einen Blutsturz erlitten. Mit wehenden
Rockschößen eilte der Doktor in das Haus am Marktplatz 1. Dort fand er den
Patienten aber keineswegs mit dem Tode ringend vor. Vielmehr hatte sich
nur der überflüssige Rebensaft ein natürliches Ventil gesucht. |
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früher: "Kastlbräu",
"Englhör"
"Westermayer"
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Die vom Lehrer Richard
Hagn in Versform überlieferte Begebenheit zeigt: Auch wenn besonders in
der Gastronomie der Wandel das einzig Beständige ist, bleiben gewisse
Abläufe doch über die Jahrhunderte hinweg immer gleich. |
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früher: "Peterhans"
"Wurzer"
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