Schlichtheit und Bombast:
„Cäcilienmesse“ im Herbstkonzert
Chorgemeinschaft führte
die beliebteste Messe von Gounod auf – Irmgard Gorzawski wirkte als
Harfenistin mit
Vilsbiburg. Die
Heilige Cäcilia ist die Schutzpatronin der Kirchenmusik. Passend zu ihrem
Namens-tag (22. November) führte die Chorgemeinschaft Vilsbiburg nur wenige
Tage davor, am Samstag, 15. November, die „Cäcilienmesse“ von Charles Gounod
auf, wie immer gemeinsam mit dem Konzertchor Landshut und dem
Landshuter Sinfonieorchester. Die Gesamtleitung hatte Peter Röckl, der als
Solisten Sonja Philippin (Sopran), Christian Fliegner (Tenor) und Matthias
Ettmayr (Bass) gewählt hatte. Dazu kam als Harfinistin die Vilsbiburgerin
Irmgard Gorzawski, die die Chöre in der Cäcilienmesse begleitete.

Denn die Messe
solennelle zu Ehren der Hl. Cäcilia bedarf einer ausgesprochen üppigen
Begleitung. Neben einer Harfe gehört dazu eine Orgel, und auch das
Orchester muss um einige zusätzliche Musiker aufgestockt werden, vor allem
bei den Bläsern. Wäre nicht dieser große instrumentale Aufwand, so würde
das bekannteste kirchenmusikalische Werk des französischen Komponisten
Gounod wohl häufiger aufgeführt.
Denn beliebt ist die Messe allemal. Weist sie doch wunderschöne und
eingängige Melodiepassagen auf und eine große Dynamik innerhalb des
gesamten Werks: So beginnt das Kyrie ganz schlicht und erinnert in den
ersten Chorpassagen an einen gregorianischen Choral. Weich und
geheimnisvoll wirkt das Sanctus, pompös und bombastisch hingegen das
Credo, in dem sowohl die Chorsänger als auch die Bläser im Orchester alles
geben, um dem Glaubensbekenntnis die volle Wucht zu verleihen, sakral und
theatralisch zur gleichen Zeit.
Und noch eine Besonderheit weist die Cäcilienmesse auf, die auch in der
Vilsbiburger Hauptschul-Aula zur Aufführung kam: Angefügt an das Agnus
Dei, üblicherweise der letzte Satz einer Messe, folgen drei Gebete als
Fürbitten: das Gebet der Kirche, das Gebet der Armee und das Gebet der
Nation.
18 Messen hat der gebürtige Pariser Charles Francois Gounod (1818 bis
1893) geschrieben, darunter als drittes die Cäcilienmesse im Alter von 37
Jahren. Schon früh stand die musikalische Begabung des Sohns eines Malers
und einer Pianistin fest. Bereits 1839, mit 21 Jahren, gewann er den „Prix
de Rome“ für eine Kantate. Gounod reiste nach Rom, um die Musik der alten
Meister kennenzulernen. 1942 setzte er die Reise fort nach Wien und
gelangte ein Jahr später über Berlin und Leipzig nach Paris zurück, wo er
zunächst Kirchenkapellmeister und Organist wurde. Schon in Rom, aber auch
noch in Paris, spielte der Komponist mit dem Gedanken, Kleriker zu werden,
wandte sich aber schließlich doch dem Theater und vor allem der Oper zu.
Charles Gounod komponierte zahlreiche Opern, wovon „Faust“ (in Deutschland
bekannt als „Margarete“) als sein Meisterwerk gilt. Zudem leitete der
Musiker mehrere Chöre: 1852 bis 1860 den „L'Orphéon de la Ville de Paris“,
den größten Männerchor der Stadt. 1870 bis 1874 gründete er „Gounod's
Choir“ in London, wo er während des deutsch-französischen Kriegs weilte.
Im Alter wandte sich der tief religiöse Komponist erneut der Kirchenmusik
zu.
Seine „Cäcilienmesse“ war bereits bei der Uraufführung am 22. November
1855 ein großer Erfolg. Die Komposition, so die Chronik, beeindruckte das
Publikum durch ihre Einfachheit und gleichzeitig ihre Größe.
Neben dieser Messe war bei der Aufführung noch das Harfenkonzert C-Dur
von Francois Adrien Boieldieu zu hören, in dem vor allem die
musikalische Brillanz von Irmgard Gorzawski als Solistin zur Geltung kam.

Das Konzert fand am
Samstag, 15. November, in der Aula der Hauptschule Vilsbiburg statt.
Eine zweite Aufführung erfolgte am Sonntag, 16. November, in der
Stadtpfarrkirche St. Margaret in Achdorf.
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