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50 Jahre Pfadfinder in Vilsbiburg |
| Anläßlich des 50jährigen
Gründungsjubiläums des Pfadfinderstammes in Vilsbiburg, lohnt es
sich, die Geschichte des Pfadfindertums etwas genauer zu betrachten. |
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Nach dem Erscheinen der
ersten Pfadfinderschriften, die von dem Gründer der weltweiten
Pfadfinderbewegung, Lord Baden-Powell, 1908 verfaßt worden waren,
kam es auch im Deutschen Reich zum Zusammenschluß von
Pfadfindergruppen. Diese katholischen Pfadfindergruppen schloßen
sich zur Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg zusammen und wurden
dann am 7. Oktober 1929 in Altenberg in den katholischen
Jungmännerverband aufgenommen.
Die Gleichschaltung aller staatlichen, gesellschaftlichen und
wirtschaftlichen Institutionen und Organisationen im Zuge der
nationalsozialistischen Herrschaft 1933, überstanden die
katholischen Verbände, darunter auch die DPSG, als einzige Verbände
im Reich. Im Jahre 1934 begannen jedoch die ersten großen Offensiven
der Hitlerjugend (HJ) gegen die gesamten katholischen
Jugendverbände. Ein Jahr später, 1935, erließ der SS-Reichsführer
Heinrich Himmler das Verbot jeglicher konfessioneller Jugendarbeit.
1938 folgte dann auch das offizielle Verbot der DPSG. Die
NS-Herrschaft setzte sich eine völlige Vereinheitlichung aller
politisch und gesellschaftlichen Organisationen zum Ziel. Eine
völlige Orientierung am Führerprinzip sollte allen Organisationen
zugrunde liegen. Diesem radikalen Gedankengut fiel auch die DPSG zum
Opfer. |
Sie benannte sich
daraufhin in Gemeinschaft Sankt Georg (GSG) um und hielt geheime
Mitgliedstreffen ab. Gemeinsame Lager und Ausflüge wurden nun im
Ausland abgehalten, da sie vom Naziregime nicht geduldet wurden.
Beispiele dafür sind die Pilgerfahrt der St. Georgspfadfinder mit
200 Teilnehmern nach Rom Ostern 1935 und die zweite Bundesfahrt der
Pfadfinder nach Finnland im Sommer 1937.
Aufgrund ihrer "Bündischen Umtriebe" stand die Pfadfinder- und
Jugendbewegung auf der Abschußliste der Nazis und mußte so
Verfolgungen durch das Regime erleiden. |
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| Wegen ihrer
oppositionellen Haltung gegenüber der NS-Terrorherrschaft wurden
zahlreiche Pfadfinder verhaftet und verurteilt, wie Fred Josef, ein
Georgspfadfinder aus Würzburg. Er wurde von den Nazis am 21. Januar
1943 im KZ Auschwitz ermordet. |
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Nach dem Ende der
Terrorherrschaft der Nazis im Frühjahr 1945 konnte auch die DPSG
wieder offizielle Treffen abhalten. Trotz anfänglichem Mißtrauen der
Aliierten, das sie gegenüber jeglicher Bildung von Parteien und
Vereinen, hegten, wurden die Pfadfinder 1946 sogar als einer der
ersten Vereine in der amerikanischen Besatzungszone zugelassen.
Weiterhin bestand noch ein durch die Aliierten auferlegtes Verbot
für das Tragen von Abzeichen, Fahnen und Kluften. Zu der
Pfadfinderkluft ist allgemein zu sagen, daß keinerlei Parallelen
zwischen der Kluft und einer militärischen Uniform bestehen.
Vielmehr soll das einheitliche Tragen der Kluft den
Gemeinschaftsgedanken stärken, indem schon rein äußerliche und
soziale Unterschiede, die häufig in der Kleidung zu Tage treten,
aufgehoben werden. Gerade heute, in einer Zeit die zunehmend auf
Mode, Schönheitsideale und Markenartikel abzielt, wird die
permanente Aktualität dieser Idee wieder deutlich. In die
Nachkriegszeit in Deutschland fällt auch die Gründung des
Pfadfinderstammes in Vilsbiburg, welcher der DPSG angehört. Es fing
alles Anfang der 50er Jahre mit sieben |
| Freunden an, die zusammen
die 8. Klasse einer Vilsbiburger Schule besuchten. Im Jahre 1950
schlossen sie sich zu einer neuen Pfadfindergruppe zusammen. Die
Gründer des Stammes sind: Alois Baumann, Norbert Bernhard, Rudi
Brunnbauer, Franz Kauten, Karl Niedermaier, Josef Reichmann und
Sebastian Zöllner. Am 1. Mai 1952 legten die jungen Stammesgründer
dann unter freiem Himmel auf einer Lichtung des "Schwalbenholzes" in
Vilsbiburg das offizielle Versprechen der DPSG ab, das
folgendermaßen lautete: "Ich ... verspreche bei meiner Ehre, dass
ich mit der Gnade Gottes mein Bestes tun will, Gott, der Kirche und
dem Vaterland zu dienen, jederzeit und allen Menschen zu helfen un
dem Pfadfindergesetz zu gehorchen.". Zu diesem feierlichen Anlass
waren auch 15 Pfadfinder vom Stamm St. Jodok in Landshut anwesend.
Ludwig Schmid, einer der Landshuter Pfadfinder, wurde Pate des neu
ins Leben gerufenen Stammes Vilsbiburg. |
| Zunächst trafen sich die
Mitglieder des Stammes Vilsbiburg in der Schreinerei Baumann, um
gemeinsame Aktivitäten zu planen. Da die als Besatzer in
Niederbayern stationierten Amerikaner aber Jugendgruppen, wie die
Pfadfinder, sehr unterstützten, bekamen die Pfadfinder von ihnen
einen Gruppenraum im Landratsamt zur Verfügung gestellt, in dem
einige Jahre lang die Gruppenstunden abgehalten wurden. Da
allerdings in der Vilsbiburger Pfarrei keine Räume für Jugendgruppen
vorhanden waren, mußten sich die Pfadfinder in den 60er Jahren
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| mit wechselnden
Behelfsunterkünften zufrieden geben, wie dem "Saustall", damals im
Bereich des heutigen Pfarrheims. Im Oktober 1973 wurde dann das neue
Jugendheim in den Räumen über der jetzigen Sparkasse am Stadtplatz
errichtet, wo auch die Pfadfinder eine neue Unterkunft erhielten.
Nach einem erneuten Standortwechsel ins Pfarrheim der Stadtpfarrei,
befinden sich die Pfadfindergruppenräume nun seit November 2000 im
Meth- Häus`l bei der Bergkirche. |
| In den Anfangsjahren des
Stammes wurden viele Traditionen begründet, die bis zum heutigen Tag
von den Vilsbiburger Pfadfindern aufrecht erhalten werden. Dazu
zählen die alljährlichen Stammeslager zu Pfingsten und im Sommer.
Das erste offizielle Pfingstlager fand 1953 in Wartenberg gemeinsam
mit einigen anderen hundert Pfadfindern statt. Die An- und Abreise
zu diesem , wie auch zu allen anderen Lagern, erfolgte damals noch
mit dem Fahrrad. Heute stellen die Leiter des Stammes und auch
einige Eltern die Hin- und Rückfahrmöglichkeiten |
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zu den Lagern. Auch heute
noch werden traditionell alljährlich ein Pfinstlager, Sommerlager
und ein Winterlager (allerdings witterungsbedingt ohne Kinder)
abgehalten.
Getreu dem Grundgedanken des Pfadfindertums "Der Pfadfinder ist
hilfsbereit und Freund aller Menschen." waren und sind die
Pfadfinder besonders auf dem sozialen Sektor aktiv. Im März 1970
beteiligte sich der Stamm Vilsbiburg beispielsweise an der Aktion
"Flinke Hände, flinke Füße helfen jungen Leuten in Übersee.", welche
die DPSG ins Leben gerufen hatte. Durch Dienstleistungsaktionen, wie
Baby sitten, Auto waschen und Schuhe putzen, wurde in Vilsbiburg
Geld für bedürftige Jugendliche in Lateinamerika gesammelt. 1987
wurde diese Aktion wiederholt; diesesmal kam der Erlös der armen
Bevölkerung in Cochabamba, Bolivien, zu gute. Auch die
Herbstdienstleistungsaktion im Oktober 1991, bei der die durch Holz
hacken, Gartenarbeit oder auch Auto waschen erzielten Einnahmen zur
Erhaltung des Regenwaldes gespendet wurden. |
Das pfadfinderische
Engagement zugunsten der Natur ist bis heute ebenfalls ein festes
Anliegen geblieben. So pflanzten die Pfadfinder beispielsweise am 1.
Mai 1957 unter dem Motto "Tag des Baumes" einige Laubbäumchen im
Zuge einer Waldwanderung.
Damals wie heute wurden in Vilsbiburg und Umgebung verschiedenste
Aktionen für die Stammesmitglieder organisiert, wie im November 1957
ein Hindernislauf in der Achldorfer Kiesgrube anläßlich des
Hubertustages. Aber auch größere Ausflüge und internationale
Begegnungen stehen auf |
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dem Programm. Die
Großfahrt nach Wien im August 1958 ist ein Beispiel dafür. Auf
dieser Radrundfahrt entlang der Donau bei Engelhartszell und durch
die Wachau nach Wien, standen bei einer Stadtbesichtigung von Wien
viele Sehenswürdigkeiten auf dem Programm. Die Pfadfinder konnten
sich auf dieser Fahrt auch mit Jugendlichen aus zahlreichen anderen
Nationen austauschen, mit denen sie bei den Übernachtungen in einer
Grienzinger Jugendherberge zusammen trafen. Nach einem Abstecher
nach Bad Ischl erfolgte die Heimfahrt über den Wolfgangssee, den
Tuschlsee und über Salzburg und Freilassing.
Vor allem auch auf Bundesebene laufen viele Aktionen für die DPSG-
Mitglieder ab. Neben den "Rover Power" Aktionen, erstmals im
September 1991 in Krickelsdorf, Oberpfalz, wo neben Sommerskifahren,
Klettern und einer Höhlenwanderung auch Floß bauen auf dem Programm
standen, werden auch bundesweite Pfadfinderlager organisiert.
Nennenswert ist dabei das Großlager "Profil", das im Jahre 2001 auf
der Freizeitinsel in Bad Abbach von der Diözese Regensburg
organisiert worden war. An diesem größten Zeltlager in der
70jährigen Geschichte des Diözesanverbandes Regensburg nahmen rund
1500 Pfadfinderinnen und Pfadfinder teil, darunter auch fast der
gesamte Stamm Vilsbiburg mit 34 Personen. Neben unzähligen Workshops
und Spielen für Groß und Klein, wurde auch ein eigenes Lagerradio
auf die Beine gestellt.
Dem größten Teil der Vilsbiburger Bevölkerung ist der
Pfadfinderstamm wohl auch wegen dem traditionellen Getränkeverkauf
am Nikolausmarkt und seiner Präsenz am Pfarrfest bekannt, wo mit
einer Seilrutsche und Spielen die Kinder betreut werden. Ebenso der
Fasching der Pfadfinder erfreute sich lange Jahre großer Beliebtheit
bei der Vilsbiburger Bevölkerung.
Neben all diesen Aktionen steht aber immer die Jugendarbeit im
Vordergrund. Allwöchentlich werden Gruppenstunden für die
verschiedenen Stufen, eingeteilt nach dem Alterskriterium, von den
jeweiligen Gruppenleitern abgehalten. Dort werden die Grundlagen der
Pfadfinderkunde, wie Knotenkunde und Georgslauf, und die Werte der
Pfadfinderbewegung an den Nachwuchs weitergegeben. Dabei ist zu
betonen, daß, entgegen der Meinung vieler Eltern und Kinder, die
Pfadfinderleiter diese Tätigkeiten als reines Ehrenamt ausüben, also
für ihr Engagement keinerlei Bezahlung erhalten.
Wer nun Interesse bekommen hat, mehr über das Pfadfindertum und den
Stamm Vilsbiburg zu erfahren, ist am 1. Mai herzlich zur Feier
anläßlich des 50jährigen Bestehens des Stammes am Balk-Spitz in
Vilsbiburg eingeladen. Zu diesem Anlaß wurde auch eigens eine
Stammeschronik verfaßt, die dort erhältlich ist. |
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Text:
Irmgard Biersack |
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Fotos:
Häglsperger Daniela |
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