und am 26. Mai beim Heimspiel gegen Pokalsieger Suhl
zwei weitere Gelegenheiten zu punkten. Vizemeister werden die Mädels
mindestens, schon das ein Riesenerfolg. Es wäre die dritte
Vize-Meisterschaft nach 2005 und 2006.
"Der Vorteil der Vilsbiburgerinnen ist, dass die Mannschaft ohne Stars
funktioniert", lobt Konkurrent Wehnert. Spiele wie die gegen Dresden, in
denen nach zwei Stunden Spielzeit ein einziger Ballwechsel den Ausschlag
geben kann, entscheiden sich im Kopf, und dass ein Team sich derartig
gemeinsam in einen Rausch spielt,
Männergeburt in der Turnstunde
"das habe ich noch nicht erlebt", bestätigt
Jung-Kronseder. Der Zusammenhalt ist kein Zufall. Der Manager hat vor der
Spielzeit durchgesetzt, dass trotz vier ausländischer Spielerinnen (von
elf) und eines argentinischen Trainers Deutsch Dienstsprache ist. Die
Damen verstehen sich.
Und das, obwohl sie allesamt "Dazugeholte" sind, wie Ekkehard Wetzel das
nennt. Wetzel, 65 und pensionierter Hauptschullehrer, ist so etwas wie der
Urvater der Raben, wenngleich er das in seiner Bescheidenheit
herunterspielt und die Anfänge vor 37 Jahren kaum hätten vermuten lassen,
dass sie die Keimzelle einer (möglichen) Meistermannschaft waren.
Vor allem waren die ersten Volleyballer Männer - eine Ironie bei einem
Verein, der heute unter 15 Jugendmannschaften kein einziges Bubenteam mehr
aufbietet (vor neun Jahren entschloss sich der Verein, die Kräfte zu
bündeln und fortan nur noch die Damenmannschaften zu fördern). Zweitens
waren die ersten Volleyballer Turner, die ihr Training im TSV Vilsbiburg
mit einer Partie Volleyball ausklingen ließen, einem damals nicht
unbekannten, aber auch nicht gerade weit verbreiteten Sport. Mit einer
Hand voll Jugendlicher und Männer gründete Übungsleiter Wetzel schließlich
die Volleyball-Sparte im TSV, die zunächst "Abteilung Turnspiele" hieß.
Erst ein Jahr später stellten auch die Frauen eine Mannschaft auf die
Beine. "Die Mädels waren gut, vom Turnen geschickt und gewandt. Und im
Damen-Volleyball war damals die Konkurrenz nicht so groß. Die Mädels sind
aufgestiegen, aufgestiegen, aufgestiegen", so Wetzel. Innerhalb von acht
Jahren schaffte es die Mannschaft zum ersten Mal in die Erste Liga.
Da hatte sich Wetzel vom Volleyball längst wieder zu den Turnern
zurückgezogen. Aber gelegentlich schaut er sich noch heute die Spiele in
der Vilstalhalle an. Zu jenem vielleicht vorentscheidenden Spiel gegen
Dresden hatte der Verein ihn
"Es ist verblüffend, aber auch beängstigend"
und andere "von der alten Garde" eingeladen, aber seine
Gefühle waren gemischt. Mit seiner VIP-Karte durfte Wetzel hinter die
Kulissen zu Prominenz und Sponsoren. Das beeindruckte ihn, doch es
irritierte ihn auch. "Es ist verblüffend, wie sich das entwickelt hat,
aber auch irgendwie beängstigend. Die meisten Leute kennst Du gar nicht.
Ich bin kein Freund von dieser Übersteigerung. Aber mir ist klar, dass es
sein muss, nur so kann man Bundesliga finanzieren."
Im Grunde sind die Roten Raben eine Wiedergeburt. Als TSV, später als VSV
hatte Vilsbiburg in den 80er Jahren bereits einmal in der Bundesliga
mitgemischt, aber schlecht gewirtschaftet. 1992 war der Verein pleite und
meldete die erste Mannschaft vom Spielbetrieb ab. Von der Bezirksliga
kämpfte sich der Club wieder nach oben. 1995 übernahm der gebürtige
Bielefelder Jung-Kronseder das Ruder, zunächst als 1. Vorstand, nach der
Umwandlung in eine GmbH als Geschäftsführer. Er setzte die
Kommerzialisierung durch, auch gegen Widerstände, um eine erneute Pleite
zu vermeiden.
Dass seine Mannschaft nach diesem Höhenflug ausbrennt und - wie es so
häufig im Sport geschieht - in den Folgejahren ums Überleben strampelt,
davor hat er keine Angst. Der Kern der Mannschaft hat längerfristige
Verträge, auch die Sponsoren haben dauerhaft zugesagt. Von unten drängt
der Nachwuchs, Lenka Dürr und Mona Kreßl (beide 17) spielen in der Ersten
Mannschaft, drei weitere Mädchen gehören zur Jugendnationalmannschaft.
Die wichtigste Investition in die Zukunft aber ist die neue Halle, die der
Verband zur Auflage gemacht hat. Ende Januar beschloss der Stadtrat den
Bau nach langem Hin und Her. Ohne diese Halle hätte der Lizenzentzug oder
zumindest der Umzug der Mannschaft nach München oder Landshut gedroht. Ob
die Raben nun schon heute Abend die Meisterschaft feiern oder später oder
am Ende noch auf Platz zwei abrutschen - dass der Volleyball in Vilsbiburg
ausgerechnet in seiner besten Zeit vor dem Aus stünde, so Jung-Kronseder,
"dieses Gespenst ist jetzt verscheucht".
hoe