Unvergessliche Bühnenmomente
Großer Festabend zum 20-jährigen Bestehens des
Theatervereins Trauterfing
"Die alten Werte vor dem Vergessen bewahren"
"Eine Zwischenbilanz" nannte Vorsitzender Ferdinand Limmer am Samstagabend
die 20-Jahr-Feier des Theatervereins Trauterfing im Hotel Kongressissimo.
Nach den sehr erfolgreichen Anfangsjahren sei der Verein nun erwachsen.
Die Mitglieder wollten aber noch viele Jahre weiter diese "ausgezeichnete
Theaterarbeit" machen, mit der sie - wie Bezirkslaienspielberater Peter
Glotz gesagt hat - Tausenden von Besuchern unvergessliche Momente beschert
haben". Peter Glotz brach in seiner sympathischen Rede eine Lanze für das
Laienspiel: Es sollte sich stets seiner Eigenständigkeit bewusst sein und
"nicht nach dem Staatstheater schielen". Das nehme den Laienbühnen den
Charakter und beeinträchtige ihre Glaubwürdigkeit, sagte Glotz. Denn die
Laien spielten stets aus dem Bauch heraus, oft ohne jegliche
professionelle Spieltechnik. Aber dafür bekämen sie einen Bonus, "der sich
aus dem Handicap des Liebhabers und der Sympathie aus Verwandtschaft und
Freundeskreis zusammensetzt."
Glotz zitierte August Everding, den früheren Generalintendanten des
Bayerischen Staatstheaters: "Wir müssen die Zuschauer verführen mit der
Schönheit der Sprache und ihrer Widerborstigkeit, mit der Fülle des
Gefühls und der Härte des Verstands." Die Akteure des Theatervereins
hätten sich diese Intention zu Herzen genommen, ihre Besucher seit 20
Jahren mit interessanten Geschichten angelockt "und belohnt mit einer
reifen, überzeugenden Leistung auf der Freilichtbühne." Deshalb könnte der
Verein auf unkritische Schenkelklopfer leicht verzichten, "sie werden
durch besseres Publikum kompensiert".
Es war ein erkennbares Anliegen von Ferdinand Limmer, in seiner Rückschau
als Vorsitzender die Ernsthaftigkeit des Theatervereins darzulegen. Jahr
für Jahr versuche man ein Stück anzubieten, mit dem man die alten Werte,
die in der heutigen Zeit wegen ihrer Sperrigkeit allzu leicht über Bord
geworfen werden, anschaulich darstellen könne. Es fuchst Limmer und seine
Leute fast ein wenig, wenn der Ruf des Publikum nach leichter
konsumierbaren Stoffen immer lauter wird. Dennoch gibt es in diesem Jahr
wie gewünscht ein lustiges Stück: "Die Feuerzangenbowle". Aber auch in
dieser Komödie von Heinrich Spoerl und Hans Reimann spielen letzten Endes
die gesellschaftlichen Werte - hier in der Schule - eine Rolle.
Gegen den Werteverfall
Einen Teil seiner Rede verwendete Limmer darauf, den Verfall dieser Werte
zu beklagen: die Leichtfertigkeit, mit der die Sprache verhunzt wird, die
Schamlosigkeit, mit der gesellschaftliche Regeln ignoriert werden, oder
die Dreistigkeit, aus Langeweile wehrlose Menschen anzugreifen. Die Stücke
sollen zeigen, dass die "alte Zeit" zwar nicht einfach war, aber dass die
Menschen mehr darauf geachtet haben, was sich gehört - und was nicht.
Natürlich gehört zu einer Bilanz auch, auf den Weg des Vereins
zurückzublicken: Die anfänglichen Zweifel, ob sich der wirtschaftliche
Aufwand für ein Freilichtspiel rechnet. Der fachliche Dissens mit einem
professionellen Regisseur, der den "bayerischen Jedermann" vor der Kulisse
der Bergkirche inszenieren sollte und wieder nach Hause geschickt wurde.
(Am Ende stemmten Ferdinand und Gerhard Limmer die 100 000 Mark teuere
Produktion doch wieder selbst.) Der nicht ganz freiwillige Umzug von
Maulberg nach Kleinhochreit. Und die vielen kleinen Anekdoten, die sich im
verlauf von mehr als zwanzig Inszenierungen ansammeln.
Nach 18 Jahren Theater unter freiem Himmel sehnen sich die Trauterfinger
nach einem festen Haus. Deshalb haben sie die Debatte um ein Kulturhaus
mit einem guten Theatersaal nachhaltig angestoßen. 3. Bürgermeister Rudolf
Lehner erinnerte in seiner Ansprache an den positiven Grundsatzbeschluss
des Stadtrats. Angesichts des hohen Stellenwerts, denn sich der
Theaterverein - übrigens Träger des Kulturpreises für das Jahr 2004 - in
der öffentlichen Wahrnehmung erspielt habe, müsse dieses Projekt
baldmöglichst auf den Weg gebracht werden, sagte Lehner.
Hohe Begeisterungsfähigkeit
Landrat Josef Eppeneder würdigte die Begeisterungsfähigkeit, mit der
Limmer und der Vereinsvorstand das Ensemble über so viele Jahre motiviert
hätten. "Unser Land braucht solche Vereine, in denen die Werte gepflegt
werden, die unser Land groß gemacht haben." Der Theaterverein habe darüber
hinaus Tausende von Menschen begeistern können, "womit er auch das
Interesse der Politik geweckt hat." Immerhin kommen die Besucher aus einem
Umkreis von 100 Kilometern.
Eine Lobrede besonderer Art hielt Gerhard Holz. Der Münchner
Regionalvorsitzende des Fördervereins für Bairische Sprache und Dialekte
ist seit langem ein Fan des Vilsbiburger Freilichtspiels und besucht
dieses mit immer größeren Gruppen. Ihm ist der behutsame Umgang mit den
gesellschaftlichen Werten wichtig, ebenso der Erhalt eines lebendigen
Dialekts, mit dem man so viel genauer ausdrücken könne, worauf es wirklich
ankommt.
Text: Georg Soller
(Vilsbiburger Zeitung vom 9. März 2009) |