Die Geschichte eines modernen
Märtyrers
Premiere von "Das Vermächtnis des
Franz Jägerstätter" des Theatervereins Trauterfing
Vilsbiburg.
"Wer den Blick
für das Unrecht verliert, verliert irgendwann auch den Blick für das
Recht." Die Devise eines aufrechten Mannes mit Überzeugungen. Bei Franz
Jägerstätter waren diese Überzeugungen und vor allem sein christlicher Glaube
so stark, dass er dafür in den Tod ging, weil er im Dritten Reich den Dienst an
der Waffe verweigerte. Am Samstag brachte der Theaterverein Trauterfing das
"Vermächtnis des Franz Jägerstätter" in der Aula der Grundschule
auf die Bühne.
Mehr als drei Monate harte Probenarbeit lagen hinter den Schauspielern und dem
Bühnenpersonal des Theatervereins Trauterfing, der sich mit dem
"Vermächtnis" zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder an ein
Bühnenstück statt eines Freilichttheaters gemacht habe, wie Regisseur
Ferdinand Limmer am Samstag vor der Premiere erklärte. Für den Theaterverein
soll das Stück dazu dienen, die lange Pause zwischen dem Freilufttheater im
vergangenen Jahr und dem kommenden Stück im Sommer etwas zu verkürzen; dem
Publikum will man durch das - keineswegs leicht verdauliche - Theater
Denkanstöße geben, wie betont wurde. Vielleicht waren auch deshalb die
skeptischen Prognosen Limmers im Vorfeld der Aufführung eingetroffen, dass man
beim "Vermächtnis des Franz Jägerstätter" wohl nicht ganz mit dem
bisher gewohnten Andrang des Publikums rechnen könne: Bei der Premiere war die
Aula der Grundschule nur etwa zur Hälfte gefüllt. In der Qualität des
Theaters kann diese teilweise Abstinenz des Publikums nicht gelegen haben. Schon
in der Vergangenheit bewies die Truppe, dass sie ihrem selbstgesteckten Anspruch
auf gehobenes Laientheater durchaus gerecht wird und auch ein Repertoire weit
jenseits des klassischen Bauerntheaters beherrscht; das bewiesen unter anderem
die Aufführungen des "Bayerischen Jedermann" oder von "Hinterkaifeck".
Auch das "Vermächtnis" als jüngstes Stück ist keineswegs leichte
oder seichte Unterhaltung und fordert von den Akteuren hohe schauspielerische
Leistungen, besonders von den Darstellern des Franz Jägerstätter und seiner
Frau Franziska. Bernhard Niedermeier und Birgit Kinner verliehen den beiden
Figuren dabei durch überzeugendes Spiel eine hohe Intensität und auch
Glaubhaftigkeit. Erzählt wird in dem Stück ein Teil des Lebens von Franz
Jägerstätter, eines Bauern aus dem Innviertel in Oberösterreich. Historisch
beginnt die erzählte Geschichte im März 1938 mit dem Einmarsch deutscher
Truppen in Österreich. Franz Jägerstätter steht dem Nationalsozialismus offen
ablehnend gegenüber und läßt sich auch von seiner - vorsichtigeren - Frau
nicht dazu bewegen, mit seiner Haltung hinter dem Berg zu halten. Ersten
Differenzen mit der Partei folgt eine schwere Gewissensprobe mit der Einberufung
zur Wehrmacht. Aus der christlichen Überzeugung heraus, auf keinen Menschen
schießen zu können, will Franz Jägerstätter auf keinen Fall Dienst an der
Waffe leisten. Überdies sieht er sich nicht imstande, dem von ihm als
verbrecherisch erkannten System zu dienen. Auf solche Verweigerung stand im
Nationalsozialismus die Todesstrafe. Franz Jägerstätter nahm dies bewußt in
Kauf und wurde schließlich auch im Sommer 1943 zum Tode verurteilt und
enthauptet. Franz Jägerstätter ging damit konsequent seinen Weg und ließ
dafür sogar seine Familie allein zurück. Der Weg zu dieser Entscheidung ist
der rote Faden im gesamten Stück, das auf einem Buch von Martin Winklbauer
basiert. Immer wieder muss sich Franz Jägerstätter fragen und fragen lassen,
warum er für seine christliche Überzeugung notfalls auch seine Frau und seine
drei Kinder allein zurücklassen will. Immer wieder wird dieses Ideal dem Rest
der Bevölkerung gegenübergestellt, die sich dem Regime anpasste und möglichst
ohne Probleme die dunkle Zeit überstehen wollte. Auch die Rolle der Kirche wird
dabei hinterfragt: Bei einem Gespräch mit dem Bischof (Klaus Geltinger) sieht
dieser einen Sinn im Weltkrieg, weil man gegen den "gottlosen
Bolschewismus" kämpfe. Auch das Wegschauen der Kirche vom Unrechtsregime
wird immer wieder angegriffen. So steht Franz Jägerstätter schließlich auch
gegen die offizielle Kirchenmeinung mit seiner Verweigerung. Er kann ein
Arrangement mit dem System nicht mit seinem ganz persönlichen Verhältnis zu
Gott vereinbaren und wird so zu einem modernen Märtyrer. Das Stück selbst
wurde von Ferdinand Limmer betont schlicht in Szene gesetzt. Das Bühnenbild
besteht aus nichts weiter als aus ein paar Möbeln vor einem schwarzen
Hintergrund. Wenig lenkt vom Spiel ab. Zwischen den einzelnen Szenen werden
immer wieder Teile von Hitler-Reden oder alte Radiomeldungen eingespielt, die
für eine historische Einordnung des Geschehens sorgen. Das Publikum zeigte sich
am Samstag sehr angetan von der Inszenierung und der Leistung der elf
Schauspieler. Und auch wenn Ferdinand Limmer vor der Vorstellung erklärt hatte,
man wolle mit dem Stück keine Vergangenheitsbewältigung im Sinne einer
Kollektivschuld betreiben, so regte das Stück doch an zum Nachdenken über den
Mut eines Menschen, dem Unrecht gegenüberzutreten. Michael Betz
*Vorstellungen des Stückes "Das
Vermächtnis des Franz Jägerstätter" finden noch am kommenden Freitag,
Samstag und Sonntag jeweils um 20 Uhr in der Aula der Grundschule statt. Karten
dafür gibt es ausschließlich an der Abendkasse.
