Eine Stunde zwischen Leben und Tod

Morgen ist Premiere: "Jedermann" als Freilichtspiel vor der Wallfahrtskirche Maria Hilf

V i l s b i b u r g . Das Premierenfieber steigt. Am Freitag um 21 Uhr geht auf der großen Freilichtbühne, die der Theaterverein Trauterfing am Fuße der Wallfahrtskirche Maria Hilf errichtet hat, erstmals das Licht an. Gespielt wird das wohl populärste Stück von Hugo von Hofmannsthal: "Jedermann - Das Spiel vom Leben und Sterben des reichen Mannes". Der Kartenvorverkauf für die sechs Vorstellungen läuft hervorragend, aber es gibt noch immer Restkarten für alle Vorstellungen.

Seit 1920 wird Hofmannsthals Mysterienspiel jährlich auf dem Salzburger Domplatz mit großen Schauspielern aufgeführt, und die Prominenz aus der ganzen Welt ist zu Gast. Was lag also näher, eine bayerische Abwandlung des Stücks anlässlich des Vilsbiburger Stadtjubiläums auf die Bühne zu bringen. Ferdinand Limmer, Vorsitzender des engagierten Trauterfinger Theatervereins, hatte die Inszenierung eines großen, klassischen Theaterwerkes schon lange im Sinn.
Bergkirche als Kulisse

Dazu haben sich die Trauterfinger in diesem Jahr einen großen Rahmen abgesteckt: Nicht nur die Bühne vor der Wallfahrtskirche ist mit 300 Quadratmetern Fläche auf drei Ebenen von einer neuen Qualität, zusätzlich wurde professionelle Licht- und Tontechnik angemietet sowie eine Zuschauertribüne aufgebaut, die pro Vorstellung 700 Personen Platz bietet. Ausgestattet werden die Schauspieler mit Kostümen aus der Bayerischen Staatsoper, und die Maske wurde ebenfalls an einen Profi vergeben.

Armut Mutter Verwandte

Der große Aufwand macht Sinn, denn "Jedermann" ist kein leicht konsumierbares Theaterstück. Der Stoff selbst stammt aus dem 12. Jahrhundert, die Parabel des Stücks aus einer englischen Moralität aus dem Jahr 1509. Hofmannsthal wollte mit seinem zwischen 1903 und 1911 "erneuerten" Mysterienspiel eine künstlerisch-zeitkritische Neugestaltung des theologischen Stoffes aus dem Mittelalter schaffen.

jeder11kl.jpg (8279 Byte) szene1kl.jpg (8003 Byte) Tod

Der wohlhabende Jedermann ist dabei selbstgerechter Verwalter seines Vermögens, dem jeder Gedanke an das Jenseits fremd ist. Recht unvermittelt trifft ihn da die Ankunft des Todes, der ihn auffordert, vor Gottes Richterstuhl zu treten. Er kann sich jedoch noch eine Stunde erbitten, um einen Begleiter für die letzte Reise zu finden.

Szenenfoto szene8kl.jpg (4878 Byte) Reichtum

Während seine Freunde bereits beim Auftritt des Todes fluchtartig das Fest verlassen haben, muß er schnell erkennen, daß ihm sein Geld, in der Person des "Mammon" dargestellt, in dieser Situation auch nichts nützt. Und so macht sich der reiche Mann in Begleitung seiner gebrechlichen "Werke" und deren Schwester "Glaube" auf den Weg zum Gericht Gottes

Tod Szenenfoto

Der Kontrast zwischen dem volkstümlichen Grundton des Stückes und der zeitkritischen Darstellung von der Käuflichkeit des Diesseitigen wurden von der Theaterkritik während der vergangenen Jahrzehnte übrigens recht zwiegespalten beurteilt. Dies hat jedoch dem Publikumserfolg des "Jedermann" keinen Abbruch getan. Der große Zuspruch beim Kartenvorverkauf des Vilsbiburger Freilichtspiels bestätigt diese Erfahrung.

Verwandte Szenenfoto Szenenfoto

Weniger Glück hatte der Theaterverein Trauterfing indessen mit der Wahl seines Regisseurs, von dem man sich zwischenzeitlich wieder getrennt hat. Regie auf dem "Berg" führen seit drei Wochen Ferdinand und Gerhard Limmer gemeinsam. In den letzten Tagen wurde täglich geprobt, an den Details gearbeitet und gleichzeitig die Technik aufgebaut. Jetzt steigt, wie gesagt, das Premierenfieber. Georg Soller*

Applaus Zuschauertribüne Regie

Die Aufführungen sind zwischen 9. und 18. Juli, jeweils Freitag, Samstag und Sonntag. Einlaß ist um 20 Uhr, Spielbeginn um 21 Uhr. Karten im Vorverkauf gibt es bei der Volksbank Vilsbiburg, Telefon 08741/302-14. Der Eintrittspreis beträgt 20 Mark, für Kinder 15 Mark. Es empfiehlt sich, zu den Aufführungen warme Kleidung oder eine Decke mitzunehmen.

Text:   Vilsbiburger Zeitung vom 08.07.99    Fotos:   WG

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