DIE ÜBERFÜHRUNG
Ballade von Georg Lohmeier in einer Uraufführung des Theatervereins Trauterfing

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Sebastian Fäustl, Schexbräu von Deining und Martin Stösser, Mayerbauer von Deining, zwei Freunde auf Lebenszeit.

Die Freundschaft der beiden begann bereits in jungen Jahren. Beide sind in dem Dorf Deining aufgewachsen, haben miteinander die Schulbank gedrückt und so manchen Lausbubenstreich ausgeheckt. Auch in ihrer Jugendzeit haben sie gemeinsam die Erfahrungen des Erwachsenwerdens, wie zum Beispiel das erste Kammerfensterln, miteinander geteilt. Beide sind verheiratet und hätten für die damalige Zeit ein normales Leben führen können, wäre nicht der erste Weltkrieg ausgebrochen.

Somit mussten die beiden für einige Jahre an die Front um für ihr Vaterland zu kämpfen. Umgeben von Kanonendonner und der stets drohenden Gefahr ihr Leben zu verlieren, leisten die beiden in der Schlacht in Verdun ein Gelübde: Einmal jährlich wollen sie nach Altötting wallfahren gehen und nie mehr im Leben arbeiten, wenn sie aus dieser Hölle wieder lebendig herauskommen.

 Beide werden verletzt, der Schexbräu erleidet einen Kopfschuss, dem Martlbauer muß der Arm amputiert werden. Doch sie überleben die Kriegswirren und kehren nach Hause zurück. An ihr altes Leben können sie jedoch nicht mehr anknüpfen, zu sehr sind sie geprägt von den Erinnerungen an die zahlreichen Schlachten in den Schützengräben des Krieges. Um ihre Erlebnisse aufzuarbeiten, beginnen die beiden ein Leben, daß sie allseits bekannt werden lässt. Sie ziehen von Wirtschaft zu Wirtschaft, ertränken ihren Kummer im Alkohol und lassen auch sonst keine Möglichkeit aus, um das Leben zu geniessen. Dass diese Art des Lebens ihre Spuren hinterlässt, wird bald deutlich. Das Magenleiden des Bauern Martl  verschlimmert sich zusehends  und sie versuchen mit allen möglichen dubiosen Mitteln es zu lindern. Letztendlich hilft nur noch die Operation im Krankenhaus Altötting. Sie machen sich auf den Weg dorthin und natürlich ist auch diese Reise mit "Hindernissen" verbunden.

 Als die zwei Kriegsveteranen endlich im Krankenhaus ankommen, wird der Martlbauer auch sofort operiert. Doch da er dieses Leiden bereits zu lange mit sich herumträgt, ist die Operation erfolglos und Martin Stösser verstirbt im Krankenbett.

Nun heißt es den Leichnam nach Hause bringen und sein Freund Wast läßt es sich nicht nehmen, diese Aufgabe persönlich zu übernehmen. Die Angehörigen sehen diesem Unternehmen jedoch recht skeptisch entgegen.

Alle befürchten, daß der Schexbräu, so wie es seiner Art entspricht, auf seinem Weg nach Hause an keinem Wirtshaus, ohne anhalten zu müssen, vorbeikommt. Jedes noch so gut gemeinte Zureden ist zwecklos und der Schexbräu macht sich auf den Weg seinen Kameraden zu holen. Den einzigen Begleiter, den er zuläßt ist sein Firmling Wasti Stösser.

Während zuhause bereits die Vorbereitungen für die Beerdigung beginnen verstreichen die drei Tage, in denen der Tote längst zurück in seiner Heimatgemeinde sein sollte. Alles ist gerüstet für das Begräbnis und der Pfarrer kommt zusehends in Bedrängnis, da er nicht weiß wie er die Situation lösen soll.

 Die Trauergäste sind bereits versammelt und alles wartet darauf, dem „Moar“ von Deining die letzte Ehre zu erweisen, doch der Schexbräu ist mit dem Leichnam noch immer nicht da. So sieht sich der Pfarrer gezwungen, mit dem Requiem zu beginnen und auch das Leichenmahl wird vorgezogen, stets in der Hoffnung, der Schexbräu könnte doch noch mit dem Toten zurückkehren.

 

Text:   Susanne Habrunner       Fotos:   WG

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