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Wut und Verzweiflung
spürbar gemacht
Keine leichte Kost: Theaterverein
Trauterfing setzt Thoma-Stück souverän um Premierenwochenende in
Kleinhochreit
Von Cornelia Babl
Wenn am Ende das Licht
ausgeht und für ein paar Sekunden die Dunkelheit den Neudecker-Hof in
Kleinhochreit umfängt, fällt der Sprung zurück in die Gegenwart ein wenig
schwer: Der Theaterverein Trauterfing hat es mit seiner Inszenierung des
Ludwig-Thoma-Stücks "Andreas Vöst" geschafft, die Zuschauer die Emotionen
der Figuren deutlich spüren zu lassen - am eindringlichsten die
ohnmächtige Wut und Verzweiflung des Bauern Vöst, der wie ein verwundetes
Tier gegen Klerus und Beamtentum und um seine verlorene Ehre kämpft - und
von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.
Es ist wie immer keine leichte Kost, die der Theaterverein seinem Publikum
vorsetzt. Auch wenn einige Szenen durchaus komische Elemente enthalten und
von der Tribüne mit ihren 400 Sitzen hier und da Gelächter zu hören ist:
Das Lachen vergeht, je tiefer sich der Bauer Andreas Vöst in sein Unglück
verstrickt. In dieser Rolle geht Hauptdarsteller Klaus Geltinger völlig
auf. Er entwickelt sich im Lauf des Stücks zu einem Mann, der vor
Verbitterung und Hass auf die Obrigkeit tobt, dabei wütend mit dem
Gehstock durch die Luft fuchtelt und so überzeugend mit seinem Schicksal
hadert, dass man ihn fast trösten möchte.
Kein Wunder: Ludwig Thoma hat es in seinem Roman "Andreas Vöst" nicht gut
mit seinem Protagonisten gemeint: Weil der Bauer einst dem Pfarrer die
Zustimmung zum Bau eines neuen Kirchturms verweigerte, sinnt dieser nun
auf Rache. Noch dazu befürchtet er, dass Vöst, ein aktiver Anhänger des
Bauernbunds, ihm als künftiger Bürgermeister in seiner Machtposition
schaden könnte. Und so wählt der Geistliche den Weg der Intrige, um seinen
vermeintlichen Widersacher auszuschalten: Er bringt das Gerücht in Umlauf,
der Vöst-Bauer hätte einst seinen alten Vater misshandelt. Hans Höflsauer
verkörpert den bösen Ortspfarrer mit all seiner Arroganz und lässt seine
Moralpredigten dank überdeutlicher Artikulation vor Selbstgerechtigkeit
triefen. Gegen ihn und seine Intrigen kommt auch Vösts Frau, gespielt von
Susanne Habrunner, nicht an. Besonders im Gedächtnis dürfte den Zuschauern
die Szene bleiben, als sie den Pfarrer anfleht, das uneheliche Kind ihrer
Tochter Ursula (Rosemarie Maier) zu taufen. Sie bittet, bettelt, schluchzt
und fleht so eindringlich, dass jeder Stein weich werden würde. Der
Pfarrer bleibt hart. Und da sich der Bezirksamtmann auf seine Seite
stellt, behält er stets die Oberhand: Vösts Wahl zum Bürgermeister wird
nicht anerkannt, sein gleich nach der Geburt gestorbenes Kind darf er
nicht im Familiengrab beisetzen lassen, sein Enkelkind bleibt ungetauft -
und im Dorf verliert er immer mehr an Rückhalt, bis es am Schluss zur
Katastrophe kommt.
Es ist die Geschichte des Niedergangs einer Familie und des Widerstands
gegen die Obrigkeit, die die 19 Spieler des Theatervereins mit "Andreas
Vöst" auf die Bühne gebracht haben. Wie immer haben sie viel Zeit und Mühe
in die Vorbereitungen investiert. Rosemarie Maier, die die Vöst-Tochter
spielt, hat eigens eine Schar Gänse trainiert, die ihr lautstark
schnatternd, aber brav durch den Hof folgt. Die Kos tüme wirken so echt,
als seien die Darsteller frisch vom Anfang des 20. Jahrhunderts in die
Gegenwart gereist. Und für die Platzprobleme, die sich trotz der Größe der
Freilichtbühne im Neudecker-Hof ergeben, wird eben schnell gemeinsam
angepackt: Zwischen der Vöst-Stube und dem Gastzimmer des örtlichen
Wirtshauses wird im Kies schnell ein großer Teppich ausgerollt und ein
Schreibtisch aufgestellt - und schon geht die Handlung im Büro des
schmierigen Bezirksamtmannes (Günther Haumeier) weiter, der vom Dekan
(Jakob Meier) gegen die Bauern aufgehetzt wird.
Das Premierenwochenende haben die Mitglieder des Theatervereins nun hinter
sich. Für die Darsteller und Regisseur Ferdinand Limmer gab es zu Recht
viel Beifall. Bleibt zu hoffen, dass die Truppe ihre Nachwuchssorgen bald
ad acta legen kann und es in Kleinhochreit unter freiem Himmel für die
Theaterfreunde in der Region noch viele Inszenierungen zu sehen gibt.
Weitere Aufführungen finden am 11., 12., 13., 18., 19., 20., 25., 26. und
27. Juli jeweils um 20.30 Uhr in Kleinhochreit statt. Karten für zehn Euro
gibt es im Vorverkauf bei der VR-Bank Vilsbiburg (Telefon 08741/302 11 31)
oder ab 19 Uhr an der Abendkasse (Telefon 0 8744/96 65 62, Reservierung
nur gegen Vorkasse). Ab 19 Uhr Bewirtung im Zelt. Mehr Informationen gibt
es im Internet unter der Adresse www.theaterverein-trauterfing.de . |