„Andreas Vöst“ von Ludwig Thoma
Freilichtinszenierung 2008 des Theatervereins Trauterfing e.V.

Wut und Verzweiflung spürbar gemacht
Keine leichte Kost: Theaterverein Trauterfing setzt Thoma-Stück souverän um Premierenwochenende in Kleinhochreit
Von Cornelia Babl

Wenn am Ende das Licht ausgeht und für ein paar Sekunden die Dunkelheit den Neudecker-Hof in Kleinhochreit umfängt, fällt der Sprung zurück in die Gegenwart ein wenig schwer: Der Theaterverein Trauterfing hat es mit seiner Inszenierung des Ludwig-Thoma-Stücks "Andreas Vöst" geschafft, die Zuschauer die Emotionen der Figuren deutlich spüren zu lassen - am eindringlichsten die ohnmächtige Wut und Verzweiflung des Bauern Vöst, der wie ein verwundetes Tier gegen Klerus und Beamtentum und um seine verlorene Ehre kämpft - und von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.
Es ist wie immer keine leichte Kost, die der Theaterverein seinem Publikum vorsetzt. Auch wenn einige Szenen durchaus komische Elemente enthalten und von der Tribüne mit ihren 400 Sitzen hier und da Gelächter zu hören ist: Das Lachen vergeht, je tiefer sich der Bauer Andreas Vöst in sein Unglück verstrickt. In dieser Rolle geht Hauptdarsteller Klaus Geltinger völlig auf. Er entwickelt sich im Lauf des Stücks zu einem Mann, der vor Verbitterung und Hass auf die Obrigkeit tobt, dabei wütend mit dem Gehstock durch die Luft fuchtelt und so überzeugend mit seinem Schicksal hadert, dass man ihn fast trösten möchte.
Kein Wunder: Ludwig Thoma hat es in seinem Roman "Andreas Vöst" nicht gut mit seinem Protagonisten gemeint: Weil der Bauer einst dem Pfarrer die Zustimmung zum Bau eines neuen Kirchturms verweigerte, sinnt dieser nun auf Rache. Noch dazu befürchtet er, dass Vöst, ein aktiver Anhänger des Bauernbunds, ihm als künftiger Bürgermeister in seiner Machtposition schaden könnte. Und so wählt der Geistliche den Weg der Intrige, um seinen vermeintlichen Widersacher auszuschalten: Er bringt das Gerücht in Umlauf, der Vöst-Bauer hätte einst seinen alten Vater misshandelt. Hans Höflsauer verkörpert den bösen Ortspfarrer mit all seiner Arroganz und lässt seine Moralpredigten dank überdeutlicher Artikulation vor Selbstgerechtigkeit triefen. Gegen ihn und seine Intrigen kommt auch Vösts Frau, gespielt von Susanne Habrunner, nicht an. Besonders im Gedächtnis dürfte den Zuschauern die Szene bleiben, als sie den Pfarrer anfleht, das uneheliche Kind ihrer Tochter Ursula (Rosemarie Maier) zu taufen. Sie bittet, bettelt, schluchzt und fleht so eindringlich, dass jeder Stein weich werden würde. Der Pfarrer bleibt hart. Und da sich der Bezirksamtmann auf seine Seite stellt, behält er stets die Oberhand: Vösts Wahl zum Bürgermeister wird nicht anerkannt, sein gleich nach der Geburt gestorbenes Kind darf er nicht im Familiengrab beisetzen lassen, sein Enkelkind bleibt ungetauft - und im Dorf verliert er immer mehr an Rückhalt, bis es am Schluss zur Katastrophe kommt.
Es ist die Geschichte des Niedergangs einer Familie und des Widerstands gegen die Obrigkeit, die die 19 Spieler des Theatervereins mit "Andreas Vöst" auf die Bühne gebracht haben. Wie immer haben sie viel Zeit und Mühe in die Vorbereitungen investiert. Rosemarie Maier, die die Vöst-Tochter spielt, hat eigens eine Schar Gänse trainiert, die ihr lautstark schnatternd, aber brav durch den Hof folgt. Die Kos tüme wirken so echt, als seien die Darsteller frisch vom Anfang des 20. Jahrhunderts in die Gegenwart gereist. Und für die Platzprobleme, die sich trotz der Größe der Freilichtbühne im Neudecker-Hof ergeben, wird eben schnell gemeinsam angepackt: Zwischen der Vöst-Stube und dem Gastzimmer des örtlichen Wirtshauses wird im Kies schnell ein großer Teppich ausgerollt und ein Schreibtisch aufgestellt - und schon geht die Handlung im Büro des schmierigen Bezirksamtmannes (Günther Haumeier) weiter, der vom Dekan (Jakob Meier) gegen die Bauern aufgehetzt wird.
Das Premierenwochenende haben die Mitglieder des Theatervereins nun hinter sich. Für die Darsteller und Regisseur Ferdinand Limmer gab es zu Recht viel Beifall. Bleibt zu hoffen, dass die Truppe ihre Nachwuchssorgen bald ad acta legen kann und es in Kleinhochreit unter freiem Himmel für die Theaterfreunde in der Region noch viele Inszenierungen zu sehen gibt.
Weitere Aufführungen finden am 11., 12., 13., 18., 19., 20., 25., 26. und 27. Juli jeweils um 20.30 Uhr in Kleinhochreit statt. Karten für zehn Euro gibt es im Vorverkauf bei der VR-Bank Vilsbiburg (Telefon 08741/302 11 31) oder ab 19 Uhr an der Abendkasse (Telefon 0 8744/96 65 62, Reservierung nur gegen Vorkasse). Ab 19 Uhr Bewirtung im Zelt. Mehr Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.theaterverein-trauterfing.de .

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