Der Autor Ludwig Thoma 1867 – 1921

Ludwig Thoma wurde am 21. Januar in Oberammergau als Sohn eines Forstbeamten geboren. Seine Kindheit verbrachte er im elterlichen Forsthaus an der bayrisch-tirolerischen Grenze, später prägte ihn seine Schulzeit in Landstuhl, Neuburg, Burghausen, München und Landshut, was später seinen literarischen Niederschlag in den "Lausbubengeschichten" (1905) und "Tante Frieda: Neue Lausbubengeschichten" fand (1907).

Thoma studierte für kurze Zeit Forstwissenschaft, dann Jura und war von 1894 – 99 Rechtsanwalt, zunächst in Dachau, dann in München. Hier war er Redakteur des "Simplicissimus", später freier Schriftsteller. In scharfen, mit dem Pseudonym Peter Schlemihl gezeichneten satirischen Gedichten, auch in kritischen Artikeln in der Zeitschrift "März", die er ab 1907 mit H. Hesse herausgab, wandte er sich gegen Scheinmoral, spießbürgerliche Engherzigkeit, wilhelminisches Preußentum und klerikale bayrische Politik. Diese Positionen kennzeichnen auch sein dramatisches Schaffen dieser Zeit ("Magdalena", 1912). Eine scharfe politische Wende vollzog Thoma im Jahre 1914, das durch seine freiwillige Meldung zum Militärdienst und durch seinen Übertritt in in das national- onserative Lager markiert wird. Am deutlichsten schlug sich dies in seiner (anonymen veröffentlichten) publizistischen Arbeit für den "Miesbacher Anzeiger" 1920/21 nieder. Die von Thoma hier vor allem gegen die demokratischen Kräfte der Weimarer Republik vorgetragenen derben und z. T. offen antisemitischen Angriffe zeigen eine lange Zeit in der allgemeinen Rezeption verdrängte Facette in Thomas Leben und Werk.

Bekannt sind dagegen vor allem seine einfallsreichen, humorvollen oder satirischen Erzählungen aus dem oberbayrischen Bauern- und Kleinstädtertum, die oft starke Wirkungen aus dem Widerstreit zwischen der Komik des Dargestellten und einem sachlich lapidaren Stil ziehen, und seine dem Naturalismus verpflichtenden Bauernromane, die nach unsentimentaler Schilderung bäuerlichen Lebens streben. Sehr erfolgreich war Thoma als Bühnenschriftsteller mit seinem auch den Dialekt gestalterisch einsetzenden Komödien.

 

Weitere Werke: Romane: Andreas Vöst (1906); Der Wittiber (1911); Altaich (1918); Der Ruepp (hg.1922); Müncherinnen (hg.1923). – Erzählungen und sonstige Prosa: Agricola (1897); Kleinstadtgeschichten (1908); Briefwechsel eines bayr. Landtagsabgeordneten, Teil 1 (1909), Teil 2: Jozef Filsers Briefwexel (1912); Der Münchner im Himmel (1911); Hl. Nacht (1917); Erinnerungen (1919); - Dramen: Die Medaille (1901); Die Lokalbahn (1902); Moral (1909); Lottchens Geburtstag (1911).

Quellenangaben: Kindlers Neues Literaturlexikon, Bd. 16; Brockhaus Enzyklopädie, Bd. 22

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