KAMMERORCHESTER VHS VILSBIBURG

Sonntag, 8. November 2009
im Saal des Klosters Johannesbrunn

Kammerorchester VHS Vilsbiburg

Kammerorchester begeisterte in der Reihe "Kultur im Kloster"

Ob Bach oder Mozart wohl geahnt haben, dass ihre Werke auch Jahrhunderte später die Konzertsäle füllen werden ? Diese Frage bleibt unbeantwortet. Tatsache aber ist, dass das Kammerorchester der VHS Vilsbiburg unter der Leitung von Heinz Loher am vergangenen Sonntagabend den Konzertsaal im Kloster Johannesbrunn füllen konnte - mit populären Werken von diversen Komponisten. Knapp 200 Musik-liebhaber waren zu "Kultur im Kloster" geströmt und wurden mit großen Orchester- und Sololeistungen belohnt.
   

Kammerorchester VHS Vilsbiburg
  

Den musikalischen Auftakt machte Johann Sebastian Bach mit seiner Orchestersuite Nr.3 in D-Dur. Die fünfsätzige Tanzsuite bildete den ersten klanglich sehr reizvollen Punkt im Abendprogramm. Auf eine lebendige Ouvertüre, in der die Streicher zusammen mit Trompeten, Oboen und Pauken musizierten, folgte einer der bekanntesten und für viele wohl auch schönsten langsamen Sätze Bachs, sein "Air". Mit viel Gefühl und klarem Klang führten die Musiker um Heinz Loher das Publikum in die drei darauf folgenden Tanzsätze - Gavotte, Bouree und Gigue. Letztere setzte mit ihrem majestätischen Schluss dem Werk ein spektakuläres Ende.
 

Kammerorchester VHS Vilsbiburg

Barocker Glanz
Einen weiteren Beweis der Kompositionskunst des begnadeten Kirchenmusikers und des eigenen musi-kalischen Könnens lieferte das Kammerorchester mit seiner Interpretation des vierten Brandenburgischen Konzerts. Bach, von 1717 bis 1723 Hofkapellmeister in Köthen, widmete die sechs Brandenburgischen Konzerte dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg in der Hoffnung auf eine Anstellung an seinem Hof. Jedoch stellten sich die Werke für das kleine Hoforchester des Markgrafen als kaum spielbar heraus - ganz im Gegensatz zum Kammerorchester, das mit einer musikalisch facettenreichen Umsetzung glänzte. Mit der Verstärkung dreier Solisten - Immanuel Drißner auf der Violine, Rolf-Ulrich und Alexandra Denzer auf den Altflöten - erfüllten barocke Klänge den Saal und die Gemüter. Gemäß der spätbarocken Instrumentalkunst führte das fortschreitende Allegro in ein langsameres Andante und endete im schnel-len Presto. Der Wechsel zwischen Orchester und Solisten und das Wetteifern ("Konzertieren") von Violine und Flöten stellte einen besonderen Reiz für das Ohr des Zuhörers dar.
  

Kammerorchester VHS Vilsbiburg Kammerorchester VHS Vilsbiburg
  

Als großartiger Abschluss erklang nach der Pause Mozarts Konzertante Sinfonie für Violine, Viola und Orchester, KV 364, in Es-Dur. So viel Emotion in nur ein Werk zu packen, zählt wohl mit zur besonderen Kunst Mozarts, doch liegt es immer auch an den Musikern, diese mit viel Gefühl in ausdrucksstarke Mu-sik zu verwandeln. Für die Zuhörer war es ein purer Genuss, in Mozarts großartigem Konzert zu schwel-gen, seinem letzten Beitrag zur Konzertliteratur für Streicher.
Der ständige Wechsel zwischen Solisten und Orchester, Spannung und Entspannung, weckte Neugierde auf den weiteren musikalischen Verlauf. Immanuel Drißner, Violine, und Dorothea Galler, Viola, sorgten als hervorragende Solisten für einen ausdrucksvollen Dialogverlauf zwischen den beiden Soloinstrumenten. Vom prunkvollen Allegro maestoso über ein wiegendes Andante fand man sich im Presto zu einem leb-haften Schlusssatz wieder. Es war der perfekte Höhepunkt eines schönen Konzertabends.
  

Kammerorchester VHS Vilsbiburg
  

Mit den vier Solisten hatte sich Heinz Loher großartige Künstler in sein Konzertprojekt geholt. Immanuel Drißner, derzeit festes Mitglied im Staatsorchester am Münchner Nationaltheater, führte den Zuhörern die scheinbare Leichtigkeit des perfekten Geigenspiels vor Augen, und Dorothea Galler, in Velden geboren und seit 2008 Mitglied im Staatstheater am Gärtnerplatz in München, bewies Kunst- und Fingerfertigkeit auf der Viola. Es war eine Augenweide, sich vom Gefühlsausdruck der beiden Streicher entführen zu lassen.
 
Solistische Meisterleistungen
Genauso überzeugten aber auch Rolf-Ulrich Denzer, Schulleiter der Musikschule Vilsbiburg, und seine Tochter Alexandra, Musikwissenschaftsstudentin an der Ludwig-Maximilian-Universität, München, mit ihren Soli auf der Altflöte. Mit Perfektion meisterten sie ihre Soloparts in Bachs Brandenburgischem Konzert.
Einziger kleiner Wehrmutstropfen an dem musikalisch gelungenen Abend - die Akustik des Klostersaales hatte ein wenig unter dem umfangreichen Theaterbühnenaufbau zu leiden, der einzelne klangliche Nuancen einfach verschluckte.

Kammerorchester VHS Vilsbiburg

Text:   Katharina Schmid  (Vilsbiburger Zeitung vom 10.11.2009)        Fotos:    Georg Soller

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